
Kolumne: „Die Rache der Ex-Bremer“
Werder Bremen hat einen denkbar ungünstigen Start in die Saison hingelegt. Mit gelegentlichen Momenten von Genialität (z.B. das 5:2 gegen München oder auch das 1:1 gegen Inter Mailand) fehlte Werder diese Saison einfach auch das nötige Maß an Glück. Da ballert man 90 Minuten auf das Tor eines unbekannten Vereins namens Anorthosis Famagusta und bleibt torlos. Da spielt man gegen abgezockte Schwaben und verliert in Stuttgart 1:4. Da hat man den Sieg gegen Dortmund bis in die 92. Minute gerettet, da wird Bremen die Show vermasselt.
Nach Schuldigen wird eifrig gesucht. Liegt es am Trainer Thomas Schaaf, dem dienstältesten Trainer der Bundesliga? Liegt es an dem üblichen Bremer Verletzungspech (Betroffene derzeit Leistungsträger wie Diego, Pizarro, Jensen oder Wiese)? Liegt es an der derzeit desolaten Werder-Abwehr, die mit Prödl und Boenisch zwei Perspektivspieler hat, die aber (noch) nicht immer auf höchstem Bundesliga-Niveau überzeugen?
Monokausale Erklärungen nennt man das und die sind in der Regel unzureichend, wenn nicht gar schlicht falsch. Es könnte eine Kombination aus allen oben genannten Faktoren sein, es könnte auch an etwas ganz anderem liegen. Daher im Folgenden ein weiterer Erklärungsversuch, der selbstverständlich für sich betrachtet einige Plausibilität besitzt, aber insgesamt doch zu kurz greifen dürfte. Drüber nachzudenken lohnt sich dennoch.
Man könnte das Problem auch „die Rache der Ex-Bremer“ nennen.
Wer schoss in der 92. Minute das 3:3 der Dortmunder gegen Bremen? Mohammed Zidan. Ein Ex-Bremer.
Wer schoss das 1:0 von Hannover gegen Bremen? Christian Schulz. Ein Ex-Bremer.
Wer schoss beide Treffer von Bayern München gegen Werder? Tim Borowski. Ein Ex-Bremer.
Wer schoss das gestrige 2:0 im Spiel Leverkusen gegen Bremen? Manuel Friedrich. Ein Ex-Bremer.
Wer bereitete es vor? Simon Rolfes. Ein Ex-Bremer.
Die Liste ist lang und ließe sich vermutlich beliebig ergänzen. Verkauft Bremen seine Leistungsträger zu sorglos? Zieht man dann noch in Betracht, dass Werder derzeit eine Champions League-taugliche A-Elf hat, aber keine gleichsam effektive Bank, dann liegt der Verdacht nahe, dass man sich zu leicht von Leistungsträgern wie Schulz, Borowski, Zidan & Co. trennt. Oder man könnte auch behaupten: kein Trainingslager ist so gut für junge Talente wie das Bremer…. Wie man es dreht und wendet, ob nun Ex-Bremer oder andere die gegnerischen Treffer erzielen: es kommen harte Zeiten auf Werder zu und man muss sich wohl eingestehen, dass der Traum der Herbstmeisterschaft ausgeträumt ist.
