

Hertha BSC Berlin – TSG 1899 Hoffenheim
Hoffenheim mit der Chance! Nachdem am Samstag zuvor Bayer Leverkusen patzte und nur einen Punkt gegen kampfstarke Karlsruher erzielte (siehe Spielbericht Leverkusen-Karlsruhe), hat Hoffenheim heute die Chance, sich ganz oben in der Tabelle abzusetzen und sich ein gutes Polster zu erarbeiten. Aber auch Hertha BSC Berlin hätte bei einem Sieg die rechnerische Möglichkeit, auf einen UEFA-Cup-Platz zu springen. Hoffenheim siegte in den letzten Spielen souverän, nicht zuletzt durch die starken Leistungen ihres Stürmer-Trios Demba Ba (9), Chinedu Obasi (20) und Vedad Ibisevic (19). Die Glücks-Serie der Hertha hingegen wurde vergangene Woche in Bremen brutalst gestoppt, als die Hertha 1:5 gegen zaubernde Werderaner verlor (siehe Spielbericht Werder Bremen – Hertha BSC).
Es versprach nicht nur ein starkes Spiel zu werden: auch die Tickets waren unglaublich niedrig. Denn Hertha hatte die Ticket-Preise vor Beginn der Saison festgesetzt, welche Gegner in welcher Ticket-Preisklasse sind. Und da vor Beginn der Saison niemand die TSG auf dem Radar hatte, war das Spiel in der untersten Kategorie eingestuft worden. Gut für die Fußball-Fans in Berlin, schlecht für die Hertha, der so die Mehreinnahmen der 58.800 Zuschauer im Stadion entgingen… viele waren also da, und ich mitten unter ihnen, alle Bilder im Folgenden also von mir. 
Zur Aufstellung: hier eigentlich nichts Besonderes. Bei Hoffenheim als auch bei Hertha die üblichen Verdächtigen. Bis vor Spielbeginn unklar war, ob Nicu spielen würde, er spielte dann aber; Kacar hingegen zunächst auf der Bank. Bei Hoffenheim war das einzige Fragezeichen hinter dem Ex-Herthaner Salihovic, aber auch er gesundete rechtzeitig und konnte spielen. Mit A-Besetzung liefen Punkt 17 Uhr beide Mannschaften auf den Platz, Ralf Rangnick und Lucien Favre machten es sich in dicken Jacken am Spielfeldrand bequem und …. ANPFIFF!
9 und 19, das waren am heutigen Tag die wichtigen Zahlen. Nicht nur, dass 9 und 19 die Rückennummern der beiden Hoffenheimer Top-Stürmer sind (Ba und Ibisevic), sondern auch die Minuten, in denen es ernst wurde. Während beide Mannschaften stark in die Partie starteten, fehlte es leider doch sehr an Torchancen. In der 9. Minute dann wie gesagt die erste Chance für die Gäste mit einem schönen Schuss von Ibisevic nach Zuspiel von Obasi, doch der Keeper der Berliner, der Tscheche Jaroslav Drobny konnte klären. Die nächste hochkarätige Chance ließ leider wieder fast 10 Minuten auf sich warten: Hoffenheim klärt schlecht, der Ukrainer Andrey Voronin kommt an den Ball und hat eine Riesenmöglichkeit, die er dann jedoch ungenutzt liegen lässt. 
Hertha spielt weiterhin sehr bemüht, aber doch zu kompliziert und letztlich zu langsam nach vorne, so dass es niemanden verwunderte, die meisten Chancen auf Hoffenheimer Seite zu sehen. Viel mehr hingegen verwunderte die Chancenverwertung der Gäste: in der 24. Minute eine 100%ige für Obasi, die aber am Tor vorbeiging, in der 37. Minute hat Ibisevic das Tor auf dem Fuß, legte sich den Ball aber minimal zu weit vor und kann nicht verwerten. Auch die Freistöße und Ecken blieben auffallend harmlos. Die Mannschaften gingen pünktlich in der 45. Minute in die Kabine. Es stand noch immer: 0:0.
Unverändert ging es weiter in die zweite Halbzeit. Die meisten waren vom Bierholen noch gar nicht zurück, was aber auch nicht weiter schlimm war, denn es passierte erst einmal: gar nichts! Erst 8 Minuten nach Beginn der zweiten Hälfte mal eine gefährliche Situation. Der Serbe Marko Pantelic erkämpft sich Freiraum und gibt ab zu Nicu, der eine 100%ige vergibt. Wenig später muss Pantelic dann vom Platz. Er hatte vorher schon längere Zeit auffällig gehumpelt und war immer langsamer geworden. Hertha-Trainer Favre blieb keine andere Wahl: Pante runter, Kacar rein (61. Minute, siehe Bild).
Doch die Einwechslung von Kacar belebt das Spiel deutlich! Der Landsmann des verletzten Marko Pantelic bringt Frische ins Spiel und leitet nur 8 Minuten später auch mit einer schönen Aktion das erste Tor ein: der Hoffenheimer Luiz Gustavo, heute erstaunlich schlecht, verliert gegen den spritzigen Kacar den Ball. Dieser bedient Nicu, der wiederum Voronin: für den Mann aus der Ukraine ein Kinderspiel vom Elfmeterpunkt aus ins rechte Eck einzuschieben. Überraschend gehen die Gastgeber in Führung: 1:0! Hoffenheim bleiben nur noch knapp 18 Minuten um zu reagieren. Und die Hertha mauerte. Ob es gegen Hoffenheim sinnvoll ist, ein 1:0 verwalten zu wollen, darüber mag man streiten. Aber dennoch: die Berliner Abwehr mit Friedrich, Chahed, Simunic und Stein stand wie eine Eins. Da war selbst für die Hoffenheimer Offensive kein Durchkommen. Im Gegenteil, die Gäste mussten aufpassen, nicht den schnellen Kontern der Berliner zum Opfer zu fallen. Der für den zu schön (und zu wenig effektiv) spielenden Raffael ins Spiel gekommene Domovchiyski hatte kurz vor Schluss zwei Mal nur noch den Hoffenheimer Keeper Haas vor sich und scheiterte beide Male.
Das hätte das 2:0 sein müssen…! So jedoch blieb es beim 1:0 für die Gäste. Die Hoffenheimer Siegserie ist beendet. Ausgerechnet Hertha Berlin entzaubert den Überraschungsaufsteiger. Ibisevic (der in der 68. Minute vom Platz musste, trotz einiger guter Aktionen), Ba und Obasi blieben diesmal wirkungslos. Die Tabellenführung übernimmt somit Bayer Leverkusen auf Grund der besseren Tordifferenz. Die siegreiche Hertha landete auf Platz 5.
Somit wird es kommende Woche spannend, da beide Teams, Herta und Hoffenheim, starke Gegner erwarten: in Berlin geht es gegen den Hamburger Sportverein (erneutes Heimspiel) und Hoffenheim empfängt ebenfalls “zuhause” (also in Mannheim) den VfL Wolfsburg.