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Kolumne über Fußball


5-Jahreswertung

20.November.2008 Kommentare: 1

Die UEFA-Fünfjahreswertung

Jeder, der sich für Fußball interessiert hat schon einmal von ihr gehört: der ominösen 5-Jahreswertung. Die Eingeweihteren wissen auch, dass die 5-Jahreswertung (bzw. die UEFA-Fünfjahreswertung, wie sie korrekt heißt) irgendwie die Vergabe der Teilnahmeplätze in internationalen Wettbewerben regelt. Doch wie genau das geschieht und was die Vor- und Nachteile der Fünfjahreswertung sind, das wissen wirklich nur die allerwenigsten. Daher widmet sich erstebundesliga heute diesem Thema.

Was ist die UEFA-Fünfjahreswertung und was regelt sie?
Die UEFA-Fünfjahreswertung gibt an, mit wievielen Mannschaften ein Verband wie etwa der DFB in den internationalen Wettbewerben vertreten ist, d.h. in der Champions League, im UEFA Cup und (bis vor einem Jahr noch) im UI-Cup. Für das Ranking gilt daher die einfache Faustregel: je höher ein Verband gewertet wird, desto mehr Teams aus diesem Verband dürfen am internationalen Fußball teilhaben. Damit ein Verband wie beispielsweise der DFB schon vor Beginn der (nationalen) Saison weiß, welche Plätze in der Ligatabelle einen internationalen Startplatz bedeuten, gilt nicht die aktuelle 5-Jahres-Wertung, sondern die Vorjahreswertung. Beispiel: Für die laufende Saison 2008/09 gilt die Wertung des Vorjahres, d.h. 2007.

Da bis 1992 der Wettbewerb “Europapokal der Landesmeister” hieß (engl.: European Champions Clubs’ Cup) nahmen damals nur die jeweiligen nationalen Meister teil (bis heute wird der Wettbewerb gerne noch schlicht Europapokal genannt). Um den Wettbewerb attraktiver zu gestalten und auch für andere gut platzierte Teams zu öffnen wurde er 1992 in UEFA Champions League umbenannt und in die 5-Jahreswertung mit aufgenommen (nachdem die Wertung vorher nur die Teilnahme am UEFA-Cup regelte, der seit 1971 lief – der UEFA Cup wird übrigens ab der kommenden Saison 2009/10 in “UEFA Europa League” umbenannt und neu ausgerichtet – dazu in Kürze mehr). 1995 kam auch der UEFA Intertoto Cup (kurz: UI-Cup) zur Fünferwertung hinzu (wird allerdings ab der Saison 2009/10 abgeschafft).

Wie wertet die 5-Jahreswertung?
Jedes internationale Spiel, das eine Mannschaft bestreitet wird gewertet. In der Champions League und im UEFA-Cup wird wie folgt gewertet:

  • Sieg: 2 Punkte
  • Unentschieden: 1 Punkt
  • Niederlage: 0 Punkte

Dazu gibt es noch eine ganze Reihe von Bonuspunkten, in der Champions League wie folgt:

  • Erreichen der Gruppenphase: 3 Punkte Bonus
  • Erreichen von Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale, Finale: jeweils 1 Punkt Bonus

Und im UEFA-Cup sieht die Bonuspunkt-Vergabe wie folgt aus:

  • Halbierung der Gesamtpunkte aus der Qualifikationsrunde
  • Erreichen Viertelfinale, Halbfinale, Finale: jeweils 1 Punkt Bonus

Abschließend werden alle Punkte addiert, die die Vereine eines bestimmten Verbandes (z.B. des DFB) erspielt haben und durch die Anzahl der teilnehmenden Mannschaften geteilt.

Welche Verbände führen die UEFA-Fünfjahreswertung an und wo liegt Deutschland?
Eins vorweg: Deutschland schneidet in der Wertung leider nie besonders gut ab. Die letzte Final-Teilnahme liegt nun schon sechs Jahre zurück: in der Saison 2001/02 verlor Bayer Leverkusen gegen ein starkes Real Madrid (1:2). Der letzte Sieg in der Champions League liegt nun schon sieben Jahre zurück. Damals gewann der FC Bayern München in der Saison 2000/01 das Finale im Elfmeterschießen gegen den FC Valencia; davor stand Borussia Dortmund 09 das letzte Mal im Finale, in der Saison 1996/97, wo sie siegreich gegen Juventus Turin waren, mit einem legendären Treffer durch den jungen Lars Ricken. Trainer bei den beiden letzten CL-Siegen war beide Mal Ottmar Hitzfeld.

Klingt eigentlich gar nicht schlecht. Innerhalb von 10 Jahren 3 Final-Teilnahmen, 2 davon siegreich… schaut man allerdings rüber nach Spanien, England oder Italien (deren Landesverbände die 5-Jahreswertung traditionell anführen) dann sieht man, was eine wirklich gute Bilanz ist. In den letzten 10 Jahren hatten die Briten 5 Finalten und 3 Sieger (ManU 1999 und 2008, Liverpool 2005), die Italiener 4 Finalisten und 2 Sieger (AC Mailand 2003 und 2007), die Spanier 5 Finalisten und 4 Sieger (Real Madrid 1998, 2000, 2002; FC Barcelona 2006). Im UEFA Cup ist die Ausbeute noch magerer. Letzte Finalteilnahme durch Borussia Dortmund in der Saison 2001/2002 (2:3 verlorgen gegen Feyenoord Rotterdam). Letzter Finalsieg in der Saison 1996/1997 durch den FC Schalke 04 (gegen Inter Mailand).
Somit überrascht es nicht, dass Deutschland derzeit “nur” auf Platz 4 liegt (mit 50,2 Punkten). Auf Platz 1 liegt England (71,72 Punkte), gefolgt von Spanien auf Platz 2 (mit 68 Punkten) und Italien auf Platz 3 (58,91 Punkte). Dabei ist deutlich zu sehen, dass Deutschland vor allem in der Saison 2006/07, also unmittelbar nach der Weltmeisterschaft im eigenen Land, stark eingebrochen ist und gerade einmal 9,5 Punkte holte: eine schlechte Saison, die uns insgesamt 5 Jahre lang belasten wird.

Warum schneidet Deutschland in der 5-Jahreswertung so schlecht ab?
Auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort. Aber häufig kritisieren die Verantwortlichen der Vereine, dass sie nicht mit dem internationalen Wettbewerb mithalten könnten, weil es in Deutschland an Geld fehle. Während es in England Gang und Gäbe ist, dass reiche Sponsoren ganze Clubs kaufen (z.B. beim FC Chelsea) passiert das in Deutschland nicht. Denn hierzulande gibt es die sog. “50+1-Regel”. Diese “Fünfzig-Plus-Eins-Regel” legt fest, dass der Verein immer die Aktienmehrheit halten muss, so dass private Investoren folglich nicht die Mehrheit eines Bundesligaclubs erhalten können. Zuletzt hatte der Hannover 96-Präsident Martin Kind öffentlich gegen diese Regelung gewettert, bislang erfolglos. Vereine wie die TSG Hoffenheim, die von der finanziellen Unterstützung ihres Mäzens Dietmar Hopp lebt, sind daher in der Bundesliga selten und sowieso nicht mit der völligen Beteiligung eines Roman Abramovic zu vergleichen. Viele Befürworter der 50+1-Regel halten dagegen, dass Geld allein den Erfolg auch nicht sichern würde und verweisen auch gerne auf die “guten alten Zeiten”, als ein Verein wie Bayern München auch ohne Milliarden schwere Finanzspritzen in den 1970er Jahren drei Mal hintereinander die Champions League gewann. Die Debatte ist aber aus verschiedenen Gründen emotional sehr aufgeheizt, da gerade die großen deutschen Clubs wie Bayern München und Werder Bremen ohnehin regelmäßig auf internationaler Bühne spielen und sich über eine schlechte 5-Jahreswertung nicht beschweren zu brauchen. Aber gerade die Clubs, die häufig im oberen Mittelfeld der Tabelle abschließen würden davon profitieren, wenn Sponsoren die Mehrheit übernehmen würden: sie hätten so die Möglichkeit mit verbessertem Personal die ein oder zwei Plätze nach oben zu klettern, die fehlen, um international mitmischen zu dürfen – und schließlich fließt durch eine regelmäßige Champions League-Teilnahme ordentlich Geld in die Vereinskassen…

Ein Kommentar zu “5-Jahreswertung”

  • Frank sagt:

    Vielen Dank für diesen Hinweis. Ich hatte das mit der Fünfjahreswertung bisher noch nie richtig verstanden, wie beeinflusst die fünfjahreswertung die internationalen Plätze und so weiter. Der Artikel war da sehr informativ. Allerdings auch ein bisschen lang… hab zwei Anläufe gebraucht, um ihn durchzulesen. Vielleicht lieber aufteilen oder mehr Grafiken rein??

    Sonst super Seite, weiter so und Danke aus Berlin,
    Frank

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