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Kolumne über Fußball


Hamburger SV – Werder Bremen (14.Spieltag)

23.November.2008 Kommentare: 0

HSVWerder Bremen

Ein Derby ist die perfekte Spielwiese für Statistiker. Und so überraschte es wenig, dass die Statistiker beider Teams drauf losrechneten, um im Vorfeld zu begründen, weshalb gerade ihr Team gewinnen müsse… Der 39-jährige Ex-Werderaner Marco Bode sagte dazu mit süffisantem Lächeln: “Ich trau’ keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe.” – Damit war klar, dass dieses Derby kein Wettkampf der Statistiker werden würde – weswegen auch wir uns hier die dutzendfachen Statistiken an dieser Stelle sparen.

Die HSH Nordbank Arena war natürlich ausverkauft, trotz winterlicher Minustemperaturen. Tim Wiese wurde zur Begrüßung von den Hamburgern mit lauten Buh-Rufen empfangen, auch wenn er sich im Vorfeld mit Olic, den er beim letzten Derby durch einen KungFu-Tritt, wie er im Fußball glücklicherweise nur selten zu sehen ist, auf ein Bier getroffen hatte, um die Streitereien beizulegen: eine durch und durch sportliche Aktion.
Für Werder gab es personell nur zwei Besonderheiten. Durch den Ausfall von Boenisch und Prödl rückte der zuletzt aussortierte Tosic auf die linke Außenverteidiger-Position. Für den rotgesperrten Özil spielte Hunt im Mittelfeld. Es stürmten Almeida und Pizarro.
Für den Hamburger Sportverein spielten Jansen und Reinhardt in der Abwehr, im Mittelfeld Alex Silva und Demel. Olic und Petric stürmten zusammen mit dem frisch frisierten Guerrero. Wunderkind Thiago Neves wie schon zuletzt nur auf der Bank. Jarolim fehlte wegen seiner Gelbsperre.

Schiedsrichter Kircher pfeift vor 56.121 Zuschauerinnen und Zuschauern im Stadion das Spiel an. Und Werder zittert. Der HSV steigt prima in das Spiel ein und kann mit überrumpelten Werderanern schalten und walten, wie er will. So verwunderte es wenig, dass nach 6 Minuten der Ball im Netz von Torwart Tim Wiese war. Mladen Petric zirkelte einen Freistoß auf das kurze Eck, Wiese parierte glanzvoll, aber Guerrero schaffte es dann im Nachschuss. Einige Bremer schrien “Abseits!”, da ein Hamburger Spieler im passiven Abseits stand und Wiese möglicherweise die Sicht versperrte… das kann man als Abseits pfeiffen, muss man aber auch nicht. Alles Diskutieren hilft nicht: es steht 1:0 für die Heimmannschaft. Das Spiel verlor im Anschluss etwas an Fahrt und Hamburg konnte nicht genug aus seiner Überlegenheit machen. So gelang es Diego schließlich in der 24. Minute, nachdem er zuvor von Hamburg-Verteidiger Reinhardt zu Fall gebracht worden war, den Freistoß ins obere rechte Eck zu ziehen. Frank Rost war zwar noch dran, aber zu spät, daher stand es 1:1. Für Bremen sicherlich auch ein bisschen glücklich. Weniger glücklich war Frank Baumann. Beim Torjubel an der Eckfahne bewarfen Fans aus dem Hamburger Block den Bremer Kapitän mit einer Batterie. Diese traf ihn am Auge, so dass das Spiel für einige Minuten unterbrochen wurde. Der Hamburger Joris Mathijsen hat dafür kein Verständnis und gibt ein unmissverständlich verächtliches Kopfschütteln in Richtung Hamburger Fanblock. Gottseidank ist nichts Schlimmes passiert und die Partie kann weitergehen. Und plötzlich ist Werder aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Viel geht über Tosic auf der linken Seite. Der 23-jährige Serbe ist jedoch im Passspiel zu ungenau, so dass das 1:1 auch das Ergebnis zur Halbzeit ist. Beide Mannschaften gehen in die Kabinen.


In die zweite Halbzeit startet Werder mit Schwung, aber auch Runde 2 ist bestimmt von Fehlpässen, Ballverlusten, Fouls und verzweifelten Distanzschüssen. Da war nichts Zwingendes mehr dabei. Bis der Kroate Ivica Olic in der 74. Minute mit einem Superschuss eindrucksvoll das 2:1 machte. Das hat er prima gemacht, von der rechten Torraumecke in das linke obere Toreck. Das ist ein Schuss, der selbst einem Spitzen-Stürmer nur alle paar Jahre gelingt: entsprechend groß der Torjubel des Hamburgers. Die Schlussphase nun entsprechend hektisch. Thomas Schaaf bringt Rosenberg für Hunt, lässt Pizarro aber auf dem Platz – unverständlich, denn der 30-jährige Peruaner hatte wirklich keine einzige gute Aktion in diesem Spiel, war dafür mehr als nur einmal in Schönheit gestorben… Aber auch die drei Bremer Stürmer Almeida, Pizarro und Rosenberg konnten in den letzten 15 Minuten nicht mehr den Ausgleich erzielen. Zu chaotisch war der Spielaufbau der Bremer, zu unpräzise ihre Schüsse aufs Tor. Und so gewinnt der HSV ein bisschen glücklich mit 2:1 in einer durchwachsenen, aber nicht unspannenden Derby-Partie. Spieler der Partie auf Bremer Seite war der Brasilianer Diego. Spieler der Partie auf Hamburger Seite der Kroate Olic.

Beide Teams haben nicht viel Zeit, sich zu erholen. Für Bremen geht es am Mittwoch in der Champions League gegen Famagusta. Hamburg spielt am Donnerstag im UEFA-Cup gegen Amsterdam. Beides keine leichten Gegner.

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