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Kolumne über Fußball


Joachim Löw, die Diva

5.November.2008 Kommentare: 0

Profi-Profil: Jogi Löw
dfbStar-Allüren beim Bundestrainer, wie unangenehm! Jogi Löw muss dieser Tage aufpassen, dass er seine wohlverdiente Beliebtheit nicht in kurzer Zeit wieder verspielt. Denn er führt sich gerade auf wie eine kleine Diva. Nicht nur, dass er und alle DFB-Verantwortlichen beharrlich von seiner “Fußball-Philosophie” spricht (was auch immer man darunter verstehen mag), er verteidigt diese seit Neuestem auch mit Kratzen und Beißen. Sobald einer querschießt, wird er an den DFB-Pranger gestellt und bleibt solange persona non grata, bis er öffentlich Reue gezeigt hat und zu Löws fußballphilosophischem System konvertiert ist.

Nicht nur Kevin Kuranyi, Michael Ballack und Torsten Frings mussten dies vor kurzem an eigenem Leib erfahren, jetzt musste auch Dieter Eilts, bisheriger U-21-Trainer beim Deutschen Fußball-Bund dran glauben. Obwohl er gerade erst mit seiner Mannschaft die Endrunde der U21-EM in Schweden im kommenden Jahr erreicht hat. Laut einer gemeinsamen Pressemitteilung von Bundestrainer Löw und Sportdirektor Matthias Sammer mit folgender Begründung: “Wir haben bei der A-Nationalmannschaft eine Spiel-Philosophie und Arbeitsweise entwickelt, die auf alle anderen Auswahlmannschaften des DFB alters- und entwicklungsgerecht übertragen werden soll, damit die Spieler für den Spitzenbereich optimal vorbereitet sind. Die aktuelle U 21 hat zwar die Endrunde die EM 2009 erreicht, doch es bestehen in den Inhalten unterschiedliche Auffassungen.” (Quelle: Transfermarkt.de)

Das ist alles andere als die feine englische Art. Das ist grob gesagt: unsportlich und hat mit Professionalität nichts zu tun. Dissidenten auszusortieren ist eine Spezialität von diktatorischen Regimen nicht von Sportverbänden… zumindest bislang.
Wer also nicht in diese ominöse Sport-Philosophie passt (und die Kritik der Löwschen Urteilskraft zur allabendlichen Bettlektüre nimmt), der wird aussortiert. Das Leistungsprinzip zählt nicht mehr (so ja auch die Kernaussagen von Frings und Ballack in ihrem Disput mit dem Bundestrainer).

Der DFB und allen voran der Bundestrainer und der Sportdirektor berauben sich ihrer eigenen Glaubwürdigkeit. Sie zeigen hochgradige Unsportlichkeit und vergessen eine wichtige Tugend, die Fußball-Ikonen wie Rudi Völler in ihrem Amt als Bundestrainer beispielsweise noch hatten: Aufrichtigkeit! Ohne in eine Rudi Völler-Nostalgie zu verfallen (wie sagte ein Kabarettist neulich: “Sind Sie manchmal auch so froh, dass es nur EINEN Rudi Völler gibt?”), aber zumindest wusste man bei dem noch woran man war. Der allglatte Trainerstab und die noch gelecktere Sportleitung, die wir derzeit haben, ist wirklich unerträglich und einzig und allein durch allerhöchste sportliche Leistungen zu rechtfertigen. Im Klartext: neben einer Qualifikation für die WM 2010 auch mindestens ein Erreichen des Halbfinales. Denn wenn Jogi Löw auch meint, das Leistungsprinzip außer Kraft setzen zu können, so wird dieser Bumerang notfalls auf direktem Weg zu ihm zurückkehren, wenn seine eigenen Leistungen ausbleiben.

Und seine größten Leistungen sind derzeit das Auftreten einer großen Diva. Wie alle philosophischen System ist die Sportphilosophie von Löws System eben auch nicht irrtumsresistent.

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