16.November.2008. Kommentare.

Hertha – HSV
Das zweite Heimspiel der Hertha in Folge. Nachdem die Berliner letzte Woche Hoffenheim erstklassig besiegten (siehe Spielbericht Hertha-Hoffenheim) bekommen sie es heute, ebenfalls im heimischen Olympia-Stadion, mit dem Hamburger Sportverein zu tun. Sieht man einmal von dem Debakel in Bremen ab (siehe Spielbericht Werder-Hertha) ist die Bilanz der Berliner in dieser Saison überraschend gut. Es versprach eine spannende Partie zu werden. Dennoch waren 10.000 Zuschauer weniger im Stadion als gegen Hoffenheim in der vergangenen Woche, was aber auch an den teureren Tickets und dem nasskalten Regenwetter gelegen haben könnte…
Hertha stürmte in den letzten Wochen ohne Pantelic meist besser als mit und so schienen viele Hertha-Fans nicht allzu beunruhigt, dass “Pante” wegen der Verletzung aus dem vergangenen Spiel nicht aufgestellt war und Trainer Lucien Favre für ihn den spritzigen Kacar brachte (weswegen Raffael klar nach vorne rutschte). Martin Jol, der Trainer des HSV, brache statt Aogo Demel und statt Benjamin (zuletzt sehr schwach) den Hamburger Neuzugang Jansen.
Anpfiff. Erwartungsgemäß belauerten sich beide Teams die ersten Minuten. Voronin machte in der 8. Minute einen ersten Vorstoß, doch Keeper Rost parierte glanzvoll. Die nächste Chance gab es auf Hamburger Seite in der 13. Minute. Ein Einwurf kurz vorm Strafraum landete auf Petric. Perfekte Brustannahme des Kroaten, der mit dem Rücken zum Tor steht und sich daher nicht anders zu helfen weiß, als einen Fallrückzieher zu probieren… der auch gelingt!! Sagenhaft, das 0:1 für die Gäste. Tor-des-Monats-verdächtig! (siehe auch hier, dieses YouTube-Video: Petrics Fallrückzieher-Tor gegen Hertha BSC
).
Leider staunten nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Hertha. Die waren sogar so erstaunt, dass sie in der Folge das Spielen vergaßen. Die Hamburger konnten schalten und walten wie sie wollten, die Defensive der Berliner quasi nicht vorhanden. Ein Glück für das Team von Trainer Favre, dass die Hamburger Chancenverwertung in den folgenden 32 Minuten miserabel war. So blieb es bei dem einen Treffer der Hanseaten und beide Mannschaften verabschiedeten sich mit dem 0:1 in die Kabine (angeblich hat die Premiere-Konferenz nach dem Petric-Tor nicht ein einziges Mal in der ersten Hälfte das Spiel gebracht…).
Viele Fans waren noch nicht von den endlos langen Schlangen am Bier- und Bratwurststand im Berliner Olympiastadion zurückgekehrt, als ihnen schon ein gewaltiger Torjubel entgegen kam: verdammt, sie hatten ein Tor verpasst. Und was für eins! Die zweite Hälfte war noch keine 30 Sekunden alt, als der Berliner Abwehrspieler Chahed von rechts einen Traumpass auf Cicero brachte, der aus kurzer Distanz ins Tor einköpfte! 1:1 – der Ausgleich für die Berliner, den schätzungsweise 10.000 Würstchenkäufer und Bierholer nicht gesehen haben dürften…
Weiter ging es. Aktiv wirkte Domovchiyski, der nach der Pause für den tänzelnden, aber uneffektiven Brasilianer Raffael ins Spiel kam (der auch schon gegen Hoffenheim elegant-aber-ungefährlich spielte).
Viele Aktionen der Berliner gingen wieder über die rechte Seite, die Achillesverse des HSV. Hierrüber ging das 1:1 und über Rechts sollte auch das 2:1 gehen…. Nicu über rechts passt quer zum aktiven Domovchiyski: der hat keine Probleme an Rost vorbei den Führungstreffer zu erzielen! 2:1 – so hatten sich die Hamburger das sicher nicht vorgestellt…
Die Hanseaten aus dem Konzept gebracht und stürmende Berliner. Lediglich Petric in der 63. und Trochowski mit einem Fernschuss-Hammer in der 70. Minute konnten noch kleine Akzente im Hamburger Spiel setzen. Aber die Berliner, nun zunehmend defensiver, hatten auch gelegentliche Offensiv-Aktionen. Unglaublich, dass Voronin in der 79. Minute die Vorentscheidung an Frank Rost verlor, der den Ball doch noch sicherte: eine 100%ige Chance, die der Spieler aus der Ukraine da vergab. Letzte Chance des Spiels dann in der Nachspielzeit durch den Hamburger Pitroipa: doch die Berliner hatten Glück, der Schuss ging an die Latte!
So blieb es beim 2:1 für die Hertha, die nicht unverdient als Sieger vom Platz ging. Während die Hertha nach zwei Heimspielen nächste Woche nach Bochum muss (die ein unangenehmer Gegner sein können), geht es für den HSV nach hause, wo sie den Nord-Rivalen Werder Bremen empfangen: Nordderby!!
16.November.2008. Kommentare.

VfB Stuttgart – Arminia Bielefeld
Drei Spiele in Folge ohne Sieg: der Lack beim VfB Stuttgart ist ab. An Meisterschaft und Champions League ist derzeit nicht zu denken. Mittelmaß, das ist die Ansage. Ein Unentschieden gegen überraschend starke Frankfurter am letzten Spieltag zeigt, dass man auch vermeintlich schwächere Gegner nicht unterschätzen darf. Ein Sieg gegen die Arminia Bielefeld, ebenfalls ein vermeintlich schwacher Gegner, soll es heute richten. Trainer Armin Veh konnte heute wieder auf Tasci in der Innenverteidigung bauen; zudem auf Khedira und Cacau, die ebenfalls zurück in die Startelf kamen. Die zuletzt schwachen Träsch und Marica blieben auf der Bank, genauso wie der selbsternannte Michael-Ballack-Verfolger Thomas Hitzlsperger, der zuletzt nur mit Fehlpässen, bösen Fouls und langweilig-verzweifelten Torschüssen aus über 30 Metern auffiel (die meistens auch über 30 Meter am Tor vorbeigingen – ein Ballack-Verfolger sieht anders aus!). Mario Gomez daher heute mit Kapitänsbinde. Der Trainer der Ostwestfalen, Michael Frontzeck, konnte nach der Niederlage gegen Mönchengladbach vorige Woche, Marx und Lamey bringen – Nico Herzig (gelbgesperrt) blieb ebenso wie Halfar auf der Bank.
Anpfiff… harte Zeiten für Fans beider Mannschaften. Harte Zeiten für Kolumnisten, die über dieses Spiel berichten sollen: denn diese Partie ist ein heißer Anwärter auf den Titel “Langweiligste Begegnung der Saison”. Auf den ersten Torschuss mussten die Zuschauer satte 17 Minuten warten, doch Magnin schoss knapp am Tor vorbei. Die Bielefelder Schüsse, meistens durch Wichniarek, rangen Jens Lehmann kaum große Leistung ab. Veh schickt Hilbert zum Aufwärmen, den er dann auch für den schwächelnden Khedira bringt (38. Minute). Halbzeitpause in einer schnarchlangweiligen Partie.
Unverändert kamen die Mannschaften aus der Kabine zurück. Einige Fans hatten das Stadion schon verlassen (wurde mir von einem befreundeten Stadion-Besucher berichtet). Die größte Aufregung der zweiten Hälfte, nehmen wir es gleich vorweg, brachte Jens Lehmann. Der wollte sich den Preis für “das schlechteste Abspiel der Saison” holen und warf dem gegnerischen Katongo den Ball im Strafraum direkt vor die Füße. Der zieht schnell ab, aber Lehmann kann parieren. Nachschuss Kirch, der aber einen Stuttgarter Verteidiger anschießt. Situation geklärt. Jens Lehmann lächelt und macht eine deutliche “Puh, das war aber knapp”-Gäste: immerhin selbstironisch merkt er, was das für ein Mist war. Das war in der 51. Minute…. wir spulen vor…. Bis zur 90. Minute. Einige halbseidene Chancen, viele davon für die abschlussschwachen Bielefelder, und viel Langeweile später wird die Begegnung endlich abgepfiffen. 0:0. Die Schwaben werden zu Recht von ihren Fans ausgepfiffen und ausgebuht. Eine magere Leistung, ein langweiliges und zähes Spiel.
Das lässt nichts Gutes ahnen, wenn man bedenkt, dass der VfB nächste Woche gegen zur Zeit starke Wolfsburger ran muss und die Bielefelder gegen den Tabellenführer Leverkusen…
15.November.2008. Kommentare.

13.Spieltag: Borussia Mönchengladbach – Bayern München
Es ist zwar schon ein paar Jahre her, aber es gab eine Zeit, als diese beiden Mannschaften Fußballdeutschland schlichtweg dominierten. Borussia Mönchengladbach machte 1977 in der Champions League Platz 2, gewann den UEFA-Cup in den Jahren 1975 und 1979, wurde dort auch zwei Mal Zweiter: 1973 und 1980. Pokalsieger waren sie gleich dreifach: 1960, 1973 und 1995
und erreichten 1984 und 1992 jeweils im Pokal Platz 2. Deutscher Meister wurden die Gladbacher gleich fünf Mal, in den Jahren 1970, 1971, 1975, 1976 und 1977 und schlossen 1974 und 1978 als Vize-Meister ab. Was für ein Kaliber! Und jetzt? Frisch aus der zweiten Liga aufgestiegen war der größte Erfolg in der laufenden Saison einmal Platz 11 am dritten Spieltag: darauf folgten acht Spieltage im Abstiegskeller und der erste Trainerwechsel der Saison. Am 4. Oktober 2008 wurde auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben, dass man sich von Trainer Jos Luhukay trennen werde. Interimstrainer wurde der Sportdirektor des Vereins: Christian Ziege. Zwei Wochen später wurde bekannt gegeben, dass Hans Meyer neuer Trainer in Gladbach werden würde. Zuvor hatte Meyer das Amt zwischen 1999 bis 2003 ausgeübt und wurde daher mit Freuden zurückbegrüßt. Das Spiel heute hat also vielleicht nur auf dem Papier historischen Wert, aber dennoch hoffte jeder in M’gladbach auf das Wunder. Höchste Heimniederlage der Borussia war übrigens das 0:6 gegen FC Bayern München in der Saison 1985/1986. Sollte sich das heute wiederholen? Denn die Bayern waren hier klar der Favorit….
Die Aufstellung bei Gladbach sah Paauwe, Gouhouri und Baumjohann vor, statt der letzte Woche erfolgreichen Spieler van den Bergh, Dorda und Colautti. Bei Bayern kehrten nach Verletzungspause Lahm und Schweinsteiger zurück in den Kader. Auch Lell stand unverständlicherweise in der Startelf – von dem Mann, der angeblich auch gelegentlich handgreiflich werden kann (oder der, wie Mehmet Scholl sagt, “seiner Freundin gelegentlich eine lellt”) sah man in den letzten Wochen keine einzige vernünftige Aktion. Die zuletzt so großartigen Spieler Borowski, Oddo und Kroos saßen zunächst auf der Bank (für letzteren wohl ein ewiges Schicksal…. Deutschland, Deine Talente…!). Podolski kämpft mit Rückenproblemen und war daher gar nicht erst mit nach NRW gereist. Es stürmten folglich Miro Klose und Luca Toni.
Wie nicht anders zu erwarten hatte es stark geregnet und der Rasen war matschig. Das bremste dann auch das Spiel sichtlich, das wollte einfach nicht in Gang kommen. Aus der Lethargie wurde der Zuschauer erst in der 21. Minute gerissen, als -förmlich aus dem Nichts- eine schnelle Kombination über die linke Seite kam. Philipp Lahm bahnte sich seinen Weg in den Strafraum, umdribbelte dabei mehrere Abwehrspieler und dann, kurz vor der Grundlinie, legte der Abwehrspieler mit sicherem Auge und Fuß auf den lauernden Toni ab. Der hatte nun keine Probleme mehr, den Ball mit dem rechten Außenrist aus kurzer Distanz ins Tor zu schießen: 0:1 für die Gäste. Das Spiel wurde jetzt interessanter. Die Münchner dominierten nun das Spielfeld und hatten bis zur Pause mehrere Großchancen, die sie aber nicht verwerten konnten. Daher blieb es beim 0:1.
Man muss nicht in der Kabine gewesen sein, um zu wissen, was Hans Meyer seinen Jungs aufgetragen hat: offensiveres Spiel. Und so kam die Borussia bemüht aus der Kabine und schaffte es, die lethargischen Münchner ordentlich unter Druck zu setzen. Fast meinte man, wieder die zwei Mannschaften auf Augenhöhe zu sehen, wie damals. Doch dann der Schock in der 65. Minute: der Borusse Gouhouri foult im Strafraum Ribery. Elfmeter! Den führt Ribery auch selber aus. Kurzer Anlauf, kurzes Abstoppen, erneuter Anlauf und dann Mitte-Links versenkt: 0:2. Kein Meisterschuss, aber drin.
Mit einem sicheren Vorsprung von zwei Toren wechselt Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann (heute öfter mal mit einem Lächeln auf den Lippen) aus. Tim Borowski und Sosa kommen kurz aufeinander folgend für die schlapper wirkenden Bayernspieler Schweinsteiger und Lahm (65. Minute, 67. Minute). In der 77. Minute dann, wer hat die Borussia ernsthaft noch auf dem Plan?, dann aus dem Nichts die Chance. Der sehr aktiv spielende Marin bringt eine Ecke rein, der ebenfalls souveräne Baumjohann verlängert bis kurz vor den Fünfmeterraum. Dort lauert Friend, der Demichelis austricksen kann und links in die Ecke schießt. Der Anschlusstreffer. 1:2!
137 Sekunden später, die Bayern hatten die Orientierung noch nicht ganz wiedergewonnen, eine starke Aktion der Borussia, die bei Bradley endet, der perfekt und bilderbuchgleich an Michael Rensing vorbei ins rechte Eck zieht. Tor. Ausgleich: 2:2! Wer hätte das gedacht??
Jetzt wird’s richtig schnell. Die Borussia drängt, die Bayern erwachen aus ihrem Dornröschenschlaf und beide Teams bieten den Zuschauern eine unglaublich spannende Schlussphase. Beide Teams mit großartigen Chancen, die letze der Partie hat Luca Toni in der 91. Minute: doch er verzieht. Und so ertönt der Schlusspfiff, beide Teams nehmen einen Punkt mit nach hause. Aus Bayern-Sicht wohl “nur” einen Punkt…
14.November.2008. Kommentare.
Heute: Premier League-Mannschaft Arsenal London

Einmal die Woche klettert fussballkolumne.de über den Zaun und schaut, was sich in anderen Ligen so tut.
In Deutschland kennt man “Arsenal London”
(eigentlich: Arsenal Football Club, genannt: The Gunners) vor allem, weil der Torhüter dieses Topvereins bis vor kurzem noch ein Deutscher war: Jens Lehmann nämlich. Die Ehre, die es für Lehmann bedeutet haben muss, bei Arsenal gespielt zu haben, lässt sich nur dann nachvollziehen, wenn man Arsenal etwas näher betrachtet. Um es gleich vorwegzunehmen: Arsenal gehört in England zu den sogenannten “Big Four”, den einzigen vier Teams also, die seit der Formierung der Premier League im Jahr 1993 die Meisterschaft gewinnen konnten (neben Manchester United
, FC Liverpool
und dem FC Chelsea
) – insgesamt gewannen sie seitdem drei Mal den Titel, zuletzt in der Saison 2003/04, da stand Lehmann schon im Tor der Gunners! Weiterhin war es einer der größten Erfolge des Vereines, in der Saison 2005/06 das Finale der Champions League zu erreichen. In der CL-Qualifikation hatte Arsenal mit Ajax Amsterdam sicherlich keinen leichten Gegner, erreichte jedoch als Gruppenerster das Achtelfinale. Vom Achtelfinale an landeten nur noch Brocken in Arsenals Weg: Real Madrid, Juventus Turin und FC Villarreal. Alle besiegte Arsenal ohne Gegentor! Im Finale stand Arsenal dem FC Barcelona gegenüber und kassierte hier die erste Niederlage: denn Jens Lehmann, der überragend gespielt hatte, wurde wegen einer Notbremse (zu Recht) mit Rot vom Platz geschickt. Barca gewann das Finale 2:1 und Arsenal ging leer aus.
Ab der Saison 2006/2007 spielte der Verein im neu gebauten Emirates Stadium, das im Juli 2006 eingeweiht wurde. Zuvor konnte man wegen zu geringer Stadionkapazitäten niemals wirklich eine Gewinnmaximierung durch Zuschauereinnahmen erreichen.
Aktuell (Stand: 08.11.2008) ist Arsenal nach einem 2:1-Sieg gegen ManU auf Platz 3 der Tabelle (mit 23 Punkten), direkt hinter FC Chelsea (26 Punkte) und FC Liverpool (29 Punkte).
10.November.2008. Kommentare.
 Marko Marin schießt sich in die Elf des Tages (Bildnutzung mit freundlicher Genehmigung der Borussia VfL 1900 Mönchengladbach GmbH) |
Nikolov (Frankfurt)
Bordon (Schalke) – Simunic (Hertha) – Geromel (Köln) – C. Schulz (Hannover)
Ribery (Bayern) – Kehl (BVB) – Marin (M’gladbach) – Petit (Köln)
Grafite (Wolfsburg) – Petric (HSV)
|
Damit stellt an diesem Spieltag der 1. FC Köln die meisten Spieler (2), alle anderen Mannschaften stellten je einen Spieler.
9.November.2008. Kommentare.


Hertha BSC Berlin – TSG 1899 Hoffenheim
Hoffenheim mit der Chance! Nachdem am Samstag zuvor Bayer Leverkusen patzte und nur einen Punkt gegen kampfstarke Karlsruher erzielte (siehe Spielbericht Leverkusen-Karlsruhe), hat Hoffenheim heute die Chance, sich ganz oben in der Tabelle abzusetzen und sich ein gutes Polster zu erarbeiten. Aber auch Hertha BSC Berlin hätte bei einem Sieg die rechnerische Möglichkeit, auf einen UEFA-Cup-Platz zu springen. Hoffenheim siegte in den letzten Spielen souverän, nicht zuletzt durch die starken Leistungen ihres Stürmer-Trios Demba Ba (9), Chinedu Obasi (20) und Vedad Ibisevic (19). Die Glücks-Serie der Hertha hingegen wurde vergangene Woche in Bremen brutalst gestoppt, als die Hertha 1:5 gegen zaubernde Werderaner verlor (siehe Spielbericht Werder Bremen – Hertha BSC).
Es versprach nicht nur ein starkes Spiel zu werden: auch die Tickets waren unglaublich niedrig. Denn Hertha hatte die Ticket-Preise vor Beginn der Saison festgesetzt, welche Gegner in welcher Ticket-Preisklasse sind. Und da vor Beginn der Saison niemand die TSG auf dem Radar hatte, war das Spiel in der untersten Kategorie eingestuft worden. Gut für die Fußball-Fans in Berlin, schlecht für die Hertha, der so die Mehreinnahmen der 58.800 Zuschauer im Stadion entgingen… viele waren also da, und ich mitten unter ihnen, alle Bilder im Folgenden also von mir. 
Zur Aufstellung: hier eigentlich nichts Besonderes. Bei Hoffenheim als auch bei Hertha die üblichen Verdächtigen. Bis vor Spielbeginn unklar war, ob Nicu spielen würde, er spielte dann aber; Kacar hingegen zunächst auf der Bank. Bei Hoffenheim war das einzige Fragezeichen hinter dem Ex-Herthaner Salihovic, aber auch er gesundete rechtzeitig und konnte spielen. Mit A-Besetzung liefen Punkt 17 Uhr beide Mannschaften auf den Platz, Ralf Rangnick und Lucien Favre machten es sich in dicken Jacken am Spielfeldrand bequem und …. ANPFIFF!
9 und 19, das waren am heutigen Tag die wichtigen Zahlen. Nicht nur, dass 9 und 19 die Rückennummern der beiden Hoffenheimer Top-Stürmer sind (Ba und Ibisevic), sondern auch die Minuten, in denen es ernst wurde. Während beide Mannschaften stark in die Partie starteten, fehlte es leider doch sehr an Torchancen. In der 9. Minute dann wie gesagt die erste Chance für die Gäste mit einem schönen Schuss von Ibisevic nach Zuspiel von Obasi, doch der Keeper der Berliner, der Tscheche Jaroslav Drobny konnte klären. Die nächste hochkarätige Chance ließ leider wieder fast 10 Minuten auf sich warten: Hoffenheim klärt schlecht, der Ukrainer Andrey Voronin kommt an den Ball und hat eine Riesenmöglichkeit, die er dann jedoch ungenutzt liegen lässt. 
Hertha spielt weiterhin sehr bemüht, aber doch zu kompliziert und letztlich zu langsam nach vorne, so dass es niemanden verwunderte, die meisten Chancen auf Hoffenheimer Seite zu sehen. Viel mehr hingegen verwunderte die Chancenverwertung der Gäste: in der 24. Minute eine 100%ige für Obasi, die aber am Tor vorbeiging, in der 37. Minute hat Ibisevic das Tor auf dem Fuß, legte sich den Ball aber minimal zu weit vor und kann nicht verwerten. Auch die Freistöße und Ecken blieben auffallend harmlos. Die Mannschaften gingen pünktlich in der 45. Minute in die Kabine. Es stand noch immer: 0:0.
Unverändert ging es weiter in die zweite Halbzeit. Die meisten waren vom Bierholen noch gar nicht zurück, was aber auch nicht weiter schlimm war, denn es passierte erst einmal: gar nichts! Erst 8 Minuten nach Beginn der zweiten Hälfte mal eine gefährliche Situation. Der Serbe Marko Pantelic erkämpft sich Freiraum und gibt ab zu Nicu, der eine 100%ige vergibt. Wenig später muss Pantelic dann vom Platz. Er hatte vorher schon längere Zeit auffällig gehumpelt und war immer langsamer geworden. Hertha-Trainer Favre blieb keine andere Wahl: Pante runter, Kacar rein (61. Minute, siehe Bild).
Doch die Einwechslung von Kacar belebt das Spiel deutlich! Der Landsmann des verletzten Marko Pantelic bringt Frische ins Spiel und leitet nur 8 Minuten später auch mit einer schönen Aktion das erste Tor ein: der Hoffenheimer Luiz Gustavo, heute erstaunlich schlecht, verliert gegen den spritzigen Kacar den Ball. Dieser bedient Nicu, der wiederum Voronin: für den Mann aus der Ukraine ein Kinderspiel vom Elfmeterpunkt aus ins rechte Eck einzuschieben. Überraschend gehen die Gastgeber in Führung: 1:0! Hoffenheim bleiben nur noch knapp 18 Minuten um zu reagieren. Und die Hertha mauerte. Ob es gegen Hoffenheim sinnvoll ist, ein 1:0 verwalten zu wollen, darüber mag man streiten. Aber dennoch: die Berliner Abwehr mit Friedrich, Chahed, Simunic und Stein stand wie eine Eins. Da war selbst für die Hoffenheimer Offensive kein Durchkommen. Im Gegenteil, die Gäste mussten aufpassen, nicht den schnellen Kontern der Berliner zum Opfer zu fallen. Der für den zu schön (und zu wenig effektiv) spielenden Raffael ins Spiel gekommene Domovchiyski hatte kurz vor Schluss zwei Mal nur noch den Hoffenheimer Keeper Haas vor sich und scheiterte beide Male.
Das hätte das 2:0 sein müssen…! So jedoch blieb es beim 1:0 für die Gäste. Die Hoffenheimer Siegserie ist beendet. Ausgerechnet Hertha Berlin entzaubert den Überraschungsaufsteiger. Ibisevic (der in der 68. Minute vom Platz musste, trotz einiger guter Aktionen), Ba und Obasi blieben diesmal wirkungslos. Die Tabellenführung übernimmt somit Bayer Leverkusen auf Grund der besseren Tordifferenz. Die siegreiche Hertha landete auf Platz 5.
Somit wird es kommende Woche spannend, da beide Teams, Herta und Hoffenheim, starke Gegner erwarten: in Berlin geht es gegen den Hamburger Sportverein (erneutes Heimspiel) und Hoffenheim empfängt ebenfalls “zuhause” (also in Mannheim) den VfL Wolfsburg.
8.November.2008. Kommentare.
Hamburger SV – Borussia Dortmund
Mit dem Tausch des Kroaten Mladen Petric gegen den Ägypter Mohamed Zidan ist diese Partie natürlich vor allem eine Begegnung der beiden Stürmer mit ihren jeweiligen Ex-Clubs. Zidan, der in dieser Saison nicht glänzen konnte (2 Tore) gegen Petric, der zwar insgesamt 4 Tore erzielte, aber in der Liga nicht wirklich durchschlug wie erwartet (anders als im UEFA-Cup wo er in 3 Spielen 3 Tore für die Hanseaten erzielte): das verspricht eine spannende Begegnung zu werden!
Und tatsächlich brauchten die Hamburger keine 9 Minuten, um das erste Tor zu erzielen. Und zwar durch wen? Na klar, Ex-Dortmunder Petric köpfte nach Eckball von Piotr Trochowski den Ball ins Tor von Roman Weidenfeller. Das ist das 1:0! In der 30. Minute dann der Schreck für Dortmund, das 2:0… oder nicht? Nein, doch nicht: Gewusel im 5-Meter-Raum, der Ball auf oder knapp hinter der Linie? Schwer zu sagen, aber das ist ohnehin egal, denn: der Schiedsrichter entscheidet auf Nicht-Tor. Weiterhin also 1:0…. Zumindest für die nächsten drei Minuten, denn in der 33. Minute schießt der Holländer Joris Mathijsen einen sehr langen Ball nach vorne, den Petric mit dem Kopf verlängert auf seinen Landsmann, den Kroaten Ivica Olic, der keine Probleme hat, an Weidenfeller vorbei das Tor zu erzielen: 2:0! Das ist der Stand mit dem die beiden Teams in die Kabine gehen.
Der Spanier Diego Klimowicz kommt in der 46. Minute für den Polen Jakub Blaszczykowski (genannt „Kuba“) ins Spiel. Eine gute Entscheidung von Trainer Jürgen Klopp, denn nur zwei Minuten später, in der 48., köpft Klimowicz eine Flanke von Ex-Werderaner Patrick Owomoyela aufs Tor. HSV-Keeper Frank Rost kann nur abprallen lassen und der Ball fliegt dem Ungarn Tamas Hajnal vor die Füße, der keine Mühe hat das Tor zu erzielen. 2:1 (2. Saisontreffer für Hajnal). In der 62. Minute Aufregung: der Hamburger Jerome Boateng trifft den Dortmunder Zidan hart am Knöchel. Keine Absicht, aber auch keine größere Verletzung, wie sich herausstellt. Es geht normal weiter, bis Zidan dann in der 72. Minute doch vom Platz geht. Er war nicht bissig genug. Für ihn kommt Delron Buckley in die Partie. Schwarz-Gelb ist die Farbe der Borussia und so holt sich Kapitän Sebastian Kehl auch gelb ab, nachdem er schwarz gesehen hat und ein taktisches Foul in der 75. Minute begehen musste. Seine zweite in der laufenden Saison und damit noch folgenlos. Drei Minuten gibt es am Ende drauf. Beide Teams sind stark, aber es sind vor allem die Borussen, die hier mit Kraft auf das 2:2 drängen. 180 Sekunden haben sie dafür noch Zeit. Dann jedoch der Schlusspfiff und es bleibt für den HSV bei einem zum Schluss etwas glücklichen 2:1. Doch was ist das? Robert Kovac geht zum Schiedsrichter, obwohl die Partie längst abgepfiffen ist und legt sich lautstark mit diesem an und sieht dafür nachträglich noch: rot!! Es war nicht genau zu erkennen, ob diese harte Entscheidung gerechtfertigt war.
8.November.2008. Kommentare.


VfL Bochum – Werder Bremen
Keine Mannschaft in der Liga ist derzeit so starken Leistungsschwankungen unterworfen wie Werder Bremen. Ihr Spiel changiert zwischen Genialität (wie gegen die Bayern, gegen die Berliner) und absoluter Zweitklassigkeit (wie gegen die Athener, wie gegen die Gladbacher). Personell hat sich bei Werder im Vergleich zum Champions League Spiel einiges geändert. Torsten Frings, in der CL zuletzt wegen Gelbsperre auf der Bank, spielt wieder mit. Das Sturmduo des heutigen Tages lautet Claudio Pizarro und Hugo Almeida. Neu ist außerdem Sebastian Boenisch, der für den Österreicher Sebastian Prödl spielt. Bei Bochum ist Freier gelbgesperrt und wird dem VfL sicher fehlen.
Die nicht unattraktiven ersten 20 Minuten kommen ohne große Highlights aus. Erst in der 23. Minute spielt Frings in brasilianischer Manier die Abwehr der Bochumer aus, um dann letztlich an seinem eigenen Bein zu scheitern: er stolpert, vertändelt, Chance vorbei. Werder verpasst es, ein frühes Tor zu erzielen und so kommen langsam auch die Bochumer ins Spiel. Chancen gibt es für beide reichlich, aber keine zwingenden. So bleibt das einzige Highlight der ersten Halbzeit das Foul von Pizarro am Bochumer Joel Epallé. Der Peruaner sieht verdient gelb dafür, der Kameruner kann nicht weiterspielen und wird ausgewechselt. Für ihn kommt der Österreicher Christian Fuchs. Das war’s, Halbzeitstand 0:0.
Weiter geht’s im Rewirpower-Stadion. Vor den Augen von 25.000 Zuschauern laufen beide Teams unverändert auf den Platz. Bremen ist klar am Drücker. Sie versuchen es über Diego, sie versuchen es über Pizarro, über Almeida und Özil, sind in letzter Konsequenz aber immer zu harmlos. Ballbesitz nach zwei Dritteln bei 61% für Bremen und doch…. Das Leder will einfach nicht ins Bochumer Tor. Die größte Aufregung der Partie war dann noch eine rote Karte in der 84. Minute. Mesut Özil kommt zu Fall und tritt im Liegen gegen den Bochumer Tomasz Zdebel nach, so wertet es zumindest der Schiedsrichter. Selbst in der Zeitlupe kann man keine Absicht erkennen: eine harte, vielleicht sogar ungerechte Entscheidung des Schiedsrichters, den guten Özil vom Platz zu stellen!
Nun, man könnte vermutlich stundenlang die Bremer Chancen aufzählen und beschreiben. Aber was bringt es, wenn es am Ende noch immer 0:0 steht? Ja, denn mit jeweils einem Punkt gehen die Spieler duschen. Richtig bringen tut der Punkt keiner Mannschaft was. Verärgerung und Unmut auf beiden Seiten. Werder für heute auf Platz 10 der Tabelle, das war sicher ursprünglich mal anders vorgesehen. Quo vadis, Werder? Morgen in einer Woche geht es gegen Köln, darauf die Woche zum Derby gegen den Erzrivalen Hamburg und am Mittwoch, den 26.11. dann gegen Anorthosis Famagusta, gegen die man im ersten Champions League-Spiel dieser Saison nur 0:0 spielte…
8.November.2008. Kommentare.


Karlsruher SC – Bayer Leverkusen
Leverkusen hat heute die Gelegenheit gegen den KSC zu siegen und damit die Tabellenführung zu übernehmen, zumindest für eine Nacht, denn Hoffenheim spielt erst morgen gegen die Hertha. Und Patrick Helmes und Stefan Kießling sind topfit und torhungrig.
Leverkusen will heute schnell alles klar machen und zwar sehr schnell! Nach 33 Sekunden erzielt Helmes dann auch schon das 0:1 für die Gäste! Ein Pass des Chilenen Arturo Vidal findet Helmes blind, der findet das Tor blind und ein souveränes Blitztor für die Leverkuser. Dann in der 17. Minute, Leverkusen will es wissen und so spielt ein großartig spielender Brasilianer, Renato Augusto nämlich, auf den nicht minder gut spielenden Kießling, der köpft unbedrängt ein zum 0:2: das war eine schnelle Aktion von Renato Augusto, die Weltklasse hatte, denn er hatte wirklich den Ball einen Millimeter vor der Grundlinie aus vollem Lauf geflankt und Kießling dabei so sicher bedient… Note 1,0 mit Sternchen für diese Aktion und das verdiente zweite Tor. Seien Sie ehrlich, kennen Sie Michal Kadlec, einen 24-jährigen Tschechen bei Leverkusen? Nein? Sollten Sie sich aber merken, diesen Namen. Denn der Abwehrspieler darf in der 24. Minute einen Freistoß ausführen und warum wird sofort klar, als der Ball den Weg vom linken Fuß des Tschechen ins rechte Eck der Karlsruher findet. Toll und 0:3. Ist das schon der Vorentscheid? Nein, denn ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn. Der KSC hat ein bisschen Glück, als er in der 37. Minute ein Tor erzielt durch den Brasilianer Antonio da Silva nach direktem Freistoß. Es sah sogar danach aus, als ob der Ball von Kießling abgefälscht gewesen wäre. Egal, wer zuletzt dran war, es steht 1:3. Das Spiel gewinnt dadurch in den letzten Minuten noch mal an Geschwindigkeit. Ein wahres Ping Pong, der Ball geht hin und her. Dann aber Halbzeitpfiff.
Unverändert kommen die Teams aus der Umkleide. Und: Langeweile. Bis plötzlich in der 60. Minute eine Überraschung aus dem Nichts kommt: Freistoß für den KSC, den da Silva ausführt; der Ex-Rostocker Tim Sebastian steht goldrichtig und hat keine Mühen in das lange Eck zu treffen. Unglaublich, jetzt wird’s noch mal spannend, denn es steht plötzlich 2:3. Direkt im Anschluss kommt für den Südafrikaner Bradley Carnell der Georgier Alexander Iashvili ins Spiel (61. Minute) und hat in der 62. Minute auch schon das 3:3 auf dem Fuß. Aber hier kann Rene Adler zeigen, was er kann und pariert glänzend. Und dann, in der 76. Minute wieder Iashvilli, der Mann ist Gold wert! Der eine Flanke des Ex-Bayern-Spielers Stefano Celozzi zum mittlerweile verdienten 3:3 verwandeln kann! Was für ein Spiel. Gegen so starke Leverkusener einen 0:3-Rückstand aufzuholen: Chapeau! Die reagieren prompt und wechseln den zuletzt etwas blassen Helmes aus, für ihn kommt der Grieche Gekas ins Spiel. Aber er wird torlos bleiben in dieser Runde, die pünktlich in der 90. Minute abgepfiffen wird. Beide Mannschaften nehmen je einen Punkt mit, was den KSC mehr freuen dürfte, als Bayer Leverkusen, für die nach der 24. Minute alles nach einem klassischen Dreier aussah. Enttäuschung bei Bayer, die die Tabellenführung an die TSG Hoffenheim abgibt. Hoffenheim hat so morgen gegen Hertha die Chance, sich endgültig ein dickes Polster zu verschaffen auf ihrem ersten Platz. Ob Ibisevic für Hoffenheim treffen wird?
5.November.2008. Kommentare.
Profi-Profil: Jogi Löw
Star-Allüren beim Bundestrainer, wie unangenehm! Jogi Löw muss dieser Tage aufpassen, dass er seine wohlverdiente Beliebtheit nicht in kurzer Zeit wieder verspielt. Denn er führt sich gerade auf wie eine kleine Diva. Nicht nur, dass er und alle DFB-Verantwortlichen beharrlich von seiner “Fußball-Philosophie” spricht (was auch immer man darunter verstehen mag), er verteidigt diese seit Neuestem auch mit Kratzen und Beißen. Sobald einer querschießt, wird er an den DFB-Pranger gestellt und bleibt solange persona non grata, bis er öffentlich Reue gezeigt hat und zu Löws fußballphilosophischem System konvertiert ist.
Nicht nur Kevin Kuranyi, Michael Ballack und Torsten Frings mussten dies vor kurzem an eigenem Leib erfahren, jetzt musste auch Dieter Eilts, bisheriger U-21-Trainer beim Deutschen Fußball-Bund dran glauben. Obwohl er gerade erst mit seiner Mannschaft die Endrunde der U21-EM in Schweden im kommenden Jahr erreicht hat. Laut einer gemeinsamen Pressemitteilung von Bundestrainer Löw und Sportdirektor Matthias Sammer mit folgender Begründung: “Wir haben bei der A-Nationalmannschaft eine Spiel-Philosophie und Arbeitsweise entwickelt, die auf alle anderen Auswahlmannschaften des DFB alters- und entwicklungsgerecht übertragen werden soll, damit die Spieler für den Spitzenbereich optimal vorbereitet sind. Die aktuelle U 21 hat zwar die Endrunde die EM 2009 erreicht, doch es bestehen in den Inhalten unterschiedliche Auffassungen.” (Quelle: Transfermarkt.de)
Das ist alles andere als die feine englische Art. Das ist grob gesagt: unsportlich und hat mit Professionalität nichts zu tun. Dissidenten auszusortieren ist eine Spezialität von diktatorischen Regimen nicht von Sportverbänden… zumindest bislang.
Wer also nicht in diese ominöse Sport-Philosophie passt (und die Kritik der Löwschen Urteilskraft zur allabendlichen Bettlektüre nimmt), der wird aussortiert. Das Leistungsprinzip zählt nicht mehr (so ja auch die Kernaussagen von Frings und Ballack in ihrem Disput mit dem Bundestrainer).
Der DFB und allen voran der Bundestrainer und der Sportdirektor berauben sich ihrer eigenen Glaubwürdigkeit. Sie zeigen hochgradige Unsportlichkeit und vergessen eine wichtige Tugend, die Fußball-Ikonen wie Rudi Völler in ihrem Amt als Bundestrainer beispielsweise noch hatten: Aufrichtigkeit! Ohne in eine Rudi Völler-Nostalgie zu verfallen (wie sagte ein Kabarettist neulich: “Sind Sie manchmal auch so froh, dass es nur EINEN Rudi Völler gibt?”), aber zumindest wusste man bei dem noch woran man war. Der allglatte Trainerstab und die noch gelecktere Sportleitung, die wir derzeit haben, ist wirklich unerträglich und einzig und allein durch allerhöchste sportliche Leistungen zu rechtfertigen. Im Klartext: neben einer Qualifikation für die WM 2010 auch mindestens ein Erreichen des Halbfinales. Denn wenn Jogi Löw auch meint, das Leistungsprinzip außer Kraft setzen zu können, so wird dieser Bumerang notfalls auf direktem Weg zu ihm zurückkehren, wenn seine eigenen Leistungen ausbleiben.
Und seine größten Leistungen sind derzeit das Auftreten einer großen Diva. Wie alle philosophischen System ist die Sportphilosophie von Löws System eben auch nicht irrtumsresistent.