
Freudvoll
und leidvoll
gedankenvoll sein;
hangen
und bangen
in schwebender Pein,
himmelhoch jauchzend,
zum Tode betrübt;
glücklich allein
ist die Seele, die liebt.
(Goethe, Egmont)
Dieses Motto aus Goethes Drama Egmont könnte der SV Werder Bremen sich derzeit auf die Fahnen schreiben: himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt. Denn ihr Spiel changiert derzeit zwischen diesen beiden Extremen. Entweder sie blitzen auf vor lauter Genialität und erringen mühelose Kantersiege, oder sie gehen mit lautem Getöse unter. Arbeitssiege und dreckige 1:0-Erfolge sind bei Werder eine Seltenheit. Somit sind die Grün-Weißen vor allem eins: immer für eine Überraschung gut und, wie Marco Bode neulich sagte: “Der Schrecken aller Tipprunden!”
Aufstellung:
Personell ging es bei Werder an diesem 15. Bundesligaspieltag im heimischen Weser-Stadion weniger überraschend zu. Der verletzte Tim Wiese wird wie schon zuvor in der Champions League von Christian Vander vertreten. In der Innenverteidigung die Routiniers Mertesacker und Naldo. Die Außenverteidiger, das augenblickliche Sorgenkind von Werder, waren heute Fritz (mit aktueller Formschwäche) und Tosic (gegen Famagusta ebenfalls schwach). Prödl, Boenisch und Pasanen wären hier noch Alternativen, Während erstere auf der Reservebank Platz nahmen, ist letzterer immer noch verletzt. Im Mittelfeld die üblichen Verdächtigen mit Kapitän Frank Baumann, Nationalspieler Torsten Frings, Jungtalent Aaron Hunt und Zauberkünstler Diego. Im Sturm spieltn Hugo Almeida, der immer stärker wird, sowie Claudio Pizarro, der gegen Famagusta jedoch eine herbe Enttäuschung war.
Und bei den Hessen? Ist Frankfurt der Sparringspartner, den ein Werder Bremen in der Krise braucht? Keineswegs, denn die Elf aus der Mainmetropole überzeugten zuletzt mit einem 4:0-Sieg gegen Hannover 96 (siehe Spielbericht Eintracht Frankfurt – Hannover 96), der die “Funkel raus”-Rufe verstummen ließ. Der überragende griechische Stürmer Liberopoulos glänzte dabei besonders. Auch Torwart Pröll, der nach langer Verletzung wieder zurück in die Bundesliga kehrte, konnte gut spielen. Abwehrspieler Russ schaffte sogar den Sprung in die Elf des Tages, ebenso sein Kollege Steinhöfer im Mittelfeld.
Über 40.000 Zuschauer waren ins Bremer Weser Stadion gekommen (das eine Kapazität von 42.354 Zuschauern hat – also nicht ganz ausverkauft). Das Wetter wie gewohnt nasskalt und ….
…Anpfiff:
Von Anfang an dominierte die Elf von Trainer Thomas Schaaf das Spiel. Ein Freistoß des Brasilianers Diego in der 6. Minute ging nur knapp am Winkel vorbei. Doch es sollte heute nicht der Tag der miserablen Chancenverwertung werden. Werder ließ keine weiteren 5 Minuten auf sich warten, da klingelte es auch schon zum 1:0. Eingeleitet wurde die Aktion von Torsten Frings, der seine alte Zweikampfstärke und Laufbereitschaft zeigte. Er schickte Almeida auf der rechten Seite nach vorne. Der mehrfache Champions League-Torschütze sprintete wie ein 100-Meter-Läufer und konnte so im Strafraum auf den lauernden Pizarro passen. Pröll hatte keine Chance gegen den Werder-Stürmer.
Nach dem 1:0 drückten die Hessen. Wieder war es der 22-jährige Markus Steinhöfer, der auf sich aufmerksam machte (und sicherlich auch Jogi Löw nicht entgangen sein wird). Doch im Abschluss war auch er am Ende zu harmlos. Das rächte sich keine 9 Minuten nach dem ersten Tor, als es (wieder über die rechte Seite) Bremen gelang, in den Strafraum einzudringen. Eingeleitet diesmal von Diego, der auf Frings köpfte. Pizarro trabte nach vorne und bekam von Frings den Ball. Aus etwa zehn Metern knallte der werdende Vater das Leder in den rechten Winkel: Pröll war machtlos, das war das 2:0 und das 9. Saisontor des Peruaners (20. Minute).
Werder im Anschluss überraschend passiv. Die Funkel-Jungs drückten nach vorne, nutzten die gewohnten Schwächen der Bremer Abwehr, erzielten jedoch den Anschlusstreffer nicht. Dann in der 43. Minute: Elfmeter für Werder! Es war Bellaid gewesen, der Hunt im Strafraum mit dem Arm umwarf. Ein Elfer war für diese Situation eine harte, aber keine ungerechte Entscheidung von Schiedsrichter Dr. Fleischer. Jetzt hieß es Pröll gegen Diego – der Brasilianer behielt einen kühlen Kopf und verwandelte zum 3:0 (44. Minute). Abpfiff und Halbzeitpause.
Wie nicht anders zu erwarten, schaltete Bremen einen Gang runter und spielte auf Verwaltung des 3:0. Dennoch war die zweite Hälfte nicht arm an spannenden Szenen, von denen eine in der 62. Minute auch gleich zum vierten Tor der Begegnung führte. Almeida und Pizarro mit Doppelpasse, Pizarro mit dem Killer-Instinkt und dem 4:0 und seinem 10. Saisontreffer! Da war sie: die Vorentscheidung, denn die Eintracht verfiel zusehends in Lethargie und gab die Partie früh auf. Bremen konnte nach Belieben schalten und walten und so war es Hunt auch möglich, in der 75. Minute einen gewagten Sololauf mit einem erfolgreichen Torschuss abzuschließen: das 5:0. Unglaublich.
In der Schlussphase wollten die Grünweißen noch einmal zeigen, was sie können und zauberten munter drauf los. Nur den Reaktionen von Torwart Pröll war es zu verdanken, dass nicht das 6:0 durch Almeida fiel. Auch Rosenberg, der in der 66. Minute für den erfolgreichen Pizarro in die Partie kam, scheiterte am Frankfurter Schlussmann (88. Minute). Ab der 80. Minute bekam dann auch der bislang nur selten eingesetzte Husejinovic seine Chance, als er für Baumann kam. Die Zeit war jedoch zu kurz für ihn, um wirklich Akzente zu setzen.
Die Partie endete: himmelhoch jauchzend für Bremen mit einem Kantersieg der Spitzenklasse. Frankfurt war zu ungefährlich, kassierte zu früh die Tore und verlor daher zu schnell den Mut. Beide Mannschaften bekommen es nächste Woche mit Kellerkindern zu tun: Bremen mit Karlsruhe und Frankfurt mit Bochum.