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Kolumne über Fußball


Bayern München – TSG Hoffenheim (16.Spieltag)

6.Dezember.2008 Kommentare: 0

Bayern MünchenTSG 1899 Hoffenheim

Vor dem Spiel ist nach dem Spiel…
Drei Redakteure von fussballkolumne.de schauten das Spiel in einer Bar in Berlin-Neukölln. Diese ist an gewöhnlichen Bundesligatagen vielleicht zu einem Viertel gefüllt. Am heutigen Freitag abend hingegen, ist schon um 20 Uhr kein Platz mehr frei. Gut und gerne 100 Zuschauer drängten sich auf den Sitzen und Bänken, um das Bundesligaspiel Bayern München – TSG Hoffenheim zu sehen: “Ein gefühltes Finale!” hieß es da.
Und tatsächlich: fussballkolumne.de möchte um Verzeihung bitten, dass sie gezweifelt hat. Im Vorbericht zum Spiel äußerten wir uns skeptisch zur Euphorie und vermuteten, dass es auch nur irgendso eine Bundesliga-Partie sein würde. Wir haben uns geirrt, denn schon in der ersten Spielsekunde nach dem…

…Anpfiff…
…drehte das Spiel voll auf. Beide Mannschaften wollten gewinnen und beide Mannschaften wollten schön spielen. Mit einem unglaublichen Tempo gingen die Bälle links über Ribery, rechts über lahm, rechts über Obasi und links über Ba, durch die Mitte mit van Bommel und Carlos Eduardo… nur ins Tor wollte der Ball, trotz unzähliger Torchancen auf beiden Seiten, einfach nicht!
Das Spiel wurde auf beiden Seiten sehr körperbetont geführt, die Partie sollte nach 90 Minuten 6 gelbe Karten gesehen haben. Schiedsrichter Meyer hatte alles gut im Griff und ließ dem Spiel genug freien Raum, um sich zu entwickeln. Eine einzige sehr strittige Szene gab es in der ersten Halbzeit, als Luca Toni im Strafraum nach Körperkontakt mit Hoffenheim-Keeper Haas zu Boden ging. Klose wollte einen Elfer, aber der Unparteiische gab ihn nicht. Eine fragliche Entscheidung…
Am Ende der ersten Halbzeit hatten die Gastgeber einen leichten Chancen-Vorteil und auch mehr Ballbesitz, aber dennoch trennten sich die Teams von Jürgen Klinsmann und Ralf Rangnick mit 0:0 in die Pause.


Unverändert kamen die Mannschaften aus der Kabine. Das Spiel hatte gerade wieder so richtig Fahrt aufgenommen, als es endlich fiel: das erste Tor der Begegnung. Eingeleitet wurde es durch Weis, der auf der rechten Seite den Gewaltmarsch antratt und zu Ibisevic passte. Der setzte sich gegen Oddo durch, nahm den Ball kurz an und schoss aus der Drehung ins Tor zum 0:1. Sein 18. Saisontreffer, vielleicht wirklich ein historischer: denn DAS war wirklich ein echter Gerd Müller-Schuss gewesen. Die Kritiker, die den Vergleich von Ibisevic mit Deutschlands ewigbestem Torjäger für völlig übertrieben hielten, verstummten.

Bayern ließ sich von dem Rückstand nicht irritieren und preschte mit aller Macht nach vorne. Aber in ihren Kombinationen kurz vor dem Strafraum waren sie zu unpräzise, ihre Torschüsse zu ungefährlich. Und so überrascht es nicht, dass 10 Minuten nach Ibisevics Tor, der Ausgleichstreffer durch eine Einzelaktion kam. Philipp Lahm bekam in der eigenen Hälfte den Ball auf die Füße und lief völlig unbehindert durch die eigenen und gegnerischen Reihen bis kurz vor den Strafraum, wo er mit rechts aus ca. 20 Metern abzog und in den linken Winkel traf. Was für ein schöner Schuss zum verdienten 1:1. Beide Mannschaften liefern hier Champions League-Fussball auf höchstem Niveau ab, beide begegnen sich auf Augenhöhe, ein Unentschieden wäre nach Stand der 60. Minute ein angemessener Ausgang.

Aber noch sind 30 Minuten zu spielen. Hoffenheim konnte das ganz hohe Tempo nicht durchhalten und brachen in der Folge etwas ein. Die Bayern hingegen drückten auf die Tube und erarbeiteten sich Chancen nach Chancen. Als Luca Toni, dem heute abend nichts zu gelingen schien, nach einer Hereingabe von Oddo allein vor dem Tor stand und aus 6 Metern vorbeiköpfte mussten die Hoffenheimer dann doch sehr schmunzeln. Das war eine mehr als hundertprozentige Chance gewesen, die der Italiener vergeben hatte.

Die Nachspielzeit hatte begonnen und alles sah danach aus, als ob es beim Unentschieden bleiben würde. Doch dann in der 92. Minute kam der alte Bayerndusel ins Spiel und half den Hausherren, die Partie zu gewinnen. Rensing mit einem sehr weiten Abschlag zu Luca Toni, der Italiener wollte zu KLose passen, aber Ibertsberger pariert, der Ball landet wieder bei Toni, der nun aus kurzer Distanz ein typisches Bayern-Tor schießt: wichtig, wenn auch ein wenig unattraktiv. Dennoch, das 2:1 geht vollkommen klar, da Bayern zum Schluss dann doch die dominierende Mannschaft gewesen ist.

Fazit:
Den Fans in der Berliner Kneipe hingegen war es natürlich letztlich vollkommen gleich, wer hier gewonnen hatte. Für die meisten war es eine “Begegnung zwischen Teufel und Beelzebub mit dem Ausgang, dass Beelzebub gewonnen hat”. Aber unzufrieden oder gar undankbar war niemand: alle hatten die vielleicht beste Partie der Hinrunde gesehen, ein absolutes Topspiel, das alles gehalten hat, was es versprochen hat. Damit ist der Kampf um die Herbstmeisterschaft wieder eröffnet. Die Bayern mit leichtem Nachteil durch die Doppelbelastung in der Champions League am Mittwoch gegen Lyon. Anschließend geht es für den FCB nach Stuttgart, währen die TSG 1899 Hoffenheim am letzten Spieltag in diesem Jahr den FC Schalke 04 zu hause empfängt. Beide Teams also gegen zuletzt schwächelnde, aber insgesamt durchaus nicht zu unterschätzende Gegner: die Herbstmeisterschaft war schon lange nicht mehr so spannend!

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