

Werders Mission Impossible
Das vielbesungene Wunder an der Weser: da war es wieder! Werders Chancen hätten schlechter gar nicht stehen können. Nicht nur musste ein Sieg gegen einen der besten Clubs der Welt, gegen Inter Mailand, her – auch durfte Famagusta in Athen nicht gewinnen! Und es geht wohlgemerkt nur um das Verbleiben im UEFA-Cup, das Weiterkommen in der Champions League war bereits vor zwei Wochen verspielt worden. Rechnet man die psychische Belastung durch den Bundesliga-Frust der letzten Tage hinzu, sowie die Ausfälle von Diego (Gelbsperre), Almeida und Naldo (Verletzung), dann musste selbst der härteste Fan eingestehen, dass die Chancen auf einen UEFA-Cup-Platz so gut wie Null waren.
Werders Zaubern…
Aber das Wunder an der Weser wäre kein Wunder an der Weser, wenn an der Weser zu Zeiten nicht auch wunderbare Dinge passieren würden. Denn das Spiel zeigte, um es auf den Punkt zu bringen, eine totale Werder-Dominanz. Werder ließ hinten nichts zu, nahm Inter fast vollständig aus dem Spiel und spielte vorne Offensiv-Fussball vom Feinsten, freilich ohne dabei so konteranfällig zu sein, wie in den letzten Wochen. Der zurückkehrende Clemens Fritz machte die beste Partie seit langem, Mertesacker knüpfte an seine allerbesten Tage an und unterstrich imposant, weshalb er auch in der Nationalmannschaft eine feste Größe ist und die beiden jungen Sebastians in der Abwehr: Prödl und Boenisch durften endlich auch einmal so richtig zeigen, was in ihnen steckt. Im Mittelfeld spielten Frings und Vranjes sehr souverän, Hunt großartig und Özil, ja was soll man zu diesem Spieler sagen? Man kann wohl ohne zu übertreiben sagen, dass Özil einer der besten deutschen Nachwuchs-Spieler ist. Was der 20-jährige da im Mittelfeld ackerte und spielte und zauberte: das ist schon sagenhaft. Mesut Özil ist ein Name, den man wohl bald auf vielen Werder Bremen Fan-Trikots sehen wird. Note für Özil in diesem Spiel: 1+ mit Sternchen! Im Sturm schließlich dann der Schwede Markus Rosenberg, der nach der Verletzung Almeidas wieder in die Startelf zurückkehrte und Claudio Pizarro.
… und Inters Zaudern
Zugegeben: Inter Mailands Trainer José Mourinho hatte seinen Jungs vermutlich im Vorfeld vor allem den Schongang verschrieben. Er stellte wild um und brachte Materazzi, Mancini, Burdisso, Adriano und Quaresma anstelle von Samuel, Stankovic, Maxwell, Cruz und… ja, anstelle von Ibrahimovic. Der bestverdienende Fußballer auf diesem Planeten, der 27-jährige Schwede mit bosnischen Wurzeln Zlatan Ibrahimovic, seit zwei Jahren bei Inter, saß heute erstmal nur auf der Bank.
Die Tore
Drei Tore sah die Partie. Das erlösende Tor macht Claudio Pizarro, nachdem der Werder-Sturm über eine Stunde auf das Tor vom schwachen Inter Mailand-Schlussmann Julio Cesar geschossen hatte. Eingeleitet wurde das Tor durch Özil, der mit rechts aus der Distanz einen Hammer aufs rechte Eck abgab. Julio Cesar, dem sein Torwarttrainer nicht verraten hatte, dass er den Ball auch fangen darf, faustete wie schon oft in dieser Begegnung den Ball nach vorne, direkt in den Lauf von Pizarro, der den Ball mit einem ansehnlichen Knipserschuss im Tor unterbrachte. 1:0.
Werder drängte mit Macht auf das zweite Tor und hätte das bei dem Chancenverhältnis auch schon längst erzielen müssen. Denn obwohl Ibrahimovic denn mittelmäßigen Adriano mittlerweile abgelöst hatte, tat sich im Inter-Sturm gar nichts. In der 81. Minute war es dann endlich so weit. Werder erobert den Ball kurz vor der eigenen Hälfte und drängt nach vorne. Hunt passt nach links zu Özil, der Ball scheint schon verloren, da legt Mesut Özil den Turbo ein und sprintet dem Leder hinterher. Kurz vor der Grundlinie passt er zu Rosenberg, der mit links das Ding im Kasten unterbrachte 2:0. Der Jubel war riesig, zumal mittlerweile im Weserstadion auch schon die Nachricht die Runde gemacht hatte, dass Famagusta hinten lag gegen Athen.
Jetzt bloß nichts mehr anbrennen lassen, Werder! Doch Ibrahimovic ist nicht umsonst der bestverdienende Fußballer der Welt. Denn aus dem buchstäblichen Nichts zog der Schwede mit einem Prachtschuss aus zentraler Position (Bogen um die Abwehr drum!) ins rechte Ecke. Wiese hatte hier keine Chance. 2:1 Das war in der 88. Minute. Um das Tempo rauszunehmen und den Sieg auch über die 3 Minuten Nachspielzeit zu retten, wechselte Thomas Schaaf zum ersten Mal. Er brachte Peter Niemeyer für Vranjes (89. Minute) sowie Daniel Jensen für Özil (92.). Letzterer wurde zu Recht mit begeistertem Applaus vom Platz verabschiedet. Denn als eine Minute später der Schlusspfiff ertönte sangen die Fans wieder: “Wir hol’n den U-U-E-FA-Cup und wir weeeerden deuuutscher Meister! Meister!”