Fussballkolumne.de

Kolumne über Fußball


Werder verdient weiter im Viertelfinale

28.Januar.2009 Kommentare: 0

Borussia Dortmund 09, BVBWerder Bremen, die Nr. 1 im Norden!

Sehr offensiv aufgestellt war Werder Bremen beim Pokalspiel gegen Borussia Dortmund. Mit dem griechischen Neuzugang Tziolis, Routinier Diego und Shootingstar Mesut Özil im offensiven Mittelfeld, sowie Claudio Pizarro und Hugo Almeida im Sturm, ging es hier ganz klar um eins: Tore, Tore, Tore!
Dortmund brachte mit Zidan zunächst nur einen Ex-Werderaner im Sturm, Valdez wartete auf der Bank. Zusätzlich war Alex Frei in der Startelf. Boateng, der zuvor von Tottenham nach Dortmund gekommen war, hat heute sein Debüt im schwarzgelben Dress.

Das Spiel startete rasant, allerdings waren es klar die Gastgeber, die das Ruder in der Hand hatten. Werder kam nicht richtig ins Spiel und kassierte so schon früh den ersten Gegentreffer. In der 11. Minute ging Almeida im Mittelfeld zu Boden, der Schiedsrichter pfiff nicht (obwohl es sehr verdächtig nach einem Foul aussah!) und verlor so den Ball. Kringe kam ran, passte zu Zidan, der bediente Frei, der aus 15 Metern abzog und mühelos das 1:0 erzielte. Ein nicht ganz astreines Tor, aber nach dem starken Auftakt der Borussen insgesamt nicht unverdient. Werder war bislang einfach zu passiv.

Das war auch den Bremern selbst klar und so drückten sie unmittelbar danach auf die Tube. Aber ein Kopfball von Diego aufs Tor konnte von Weidenfeller mühelos entschärft werden. Die Borussen störten früh, wenn auch mit unansehnlich vielen Fouls, aber Werder zog weiter zum Tor. Ein Schuss von Pizarro in der 19.Minute kam dem Tor schon näher, allerdings nur Außennetz. Die Grün-Weißen jetzt insgesamt mit deutlich mehr Ballbesitz. Doch zu viele Bälle bei Werder gingen über die linke Seite und somit über Tosic, der heute scheinbar seinen eigenen Fehlpassrekord aufstellen wollte…
Schiedsrichter Manuel Gräfe pfiff endlich mal ein Foul für Werder, nachdem Subotic den angreifenden Özil mit wilder Umklammerung zu Fall brachte. Der anschließende Freistoß von Diego sorgte für Verwirrung, aber brachte kein Ergebnis sondern ein erneutes Foul, diesmal an Diego selbst, Gräfe stand keine drei Meter daneben, wollte aber nichts gesehen haben: kein schönes Spiel, was die Borussen da abgaben! Und so war es schon fast ein Witz, dass erst in der 27.Minute die erste gelbe Karte kam: Boateng hatte Tosic derart brutal von den Beinen geholt, dass seine Beschwerde beim Schiedsrichter über die Karte schon stark an seinem Geisteszustand zweifeln ließ!

In der 30. Minute dann das erste Foul auf Bremer Seite und prompt kassierte Pasanen eine gelbe Karte. Da die Kartenverteilung von 1:1 den Stand des Spiels nur schwerlich wiederspiegelte, schien es dann zumindest ein schwacher Trost, dass der frei vorm Tor auftauchende Zidan eine 101%ige Chance vergab, als er nur den linken Pfosten traf (33. Minute) und zwei Minuten später an dem souveränen Wiese scheiterte.

signal-iduna-parkEine weitere gelbverdächtige Aktion von Kringe holte Fritz von den Beinen, blieb aber unbestraft. Auch hier musste man schon ein sehr hartgesottener Dortmund-Fan sein, um der Beschwerde Kringes zuzustimmen: und das, obwohl es nur bei einer Ermahnung blieb und noch nicht einmal gelb gab!! Die gelbe holte sich dann Tinga in der 43. Minute ab: kurz, das Dortmunder Spiel war jetzt insgesamt sehr unattraktiv geworden, den Bremern fehlte es in letzter Konsequenz an Durchschlagskraft, auch wenn ihre Ecken und Freistöße immer torgefährlich blieben.

Der Stand zur Pause war jedoch nach wie vor ein fragwürdiges 1:0. Dortmund führte glücklich und konnte glücklich sein, noch mit elf Mann auf dem Platz zu stehen. Schiedsrichter Gräf hatte daran nicht geringen Anteil….


Die beiden Mannschaften kommen unverändert aus der Kabine. Ein Knaller keine 60 Sekunden nach Anpfiff: Almeida erzielt den Ausgleich, aber die Fahne war sofort oben: er stand deutlich im Abseits, das Tor zählte nicht. Alex Frei’s Konter konnte Tim Wiese problemlos parieren. Eine Minute später scheiterte wiederum Almeida nur haarscharf an BVB-Keeper Weidenfeller. Das Spiel ging rasant weiter, Werder kam tüchtig in Fahrt und für ein paar Sekunden schafften es die Werder-Fans im Stadion sogar die Gastgeber-Fans niederzusingen mit ihrem “Auf gehts Werder schießt ein Tor!”

Die drei folgenden Schüsse aufs Bremer Tor konnte Tim Wiese so mühelos entschärfen, dass ihre Torgefährlichkeit fast nicht zu sehen war: dabei waren es wirkliche Scharfschüsse gewesen. Das ermunterte Werder, die nun in der Vorwärtsbewegung blieben. Die Borussen setzen ihre Taktik aus der ersten Hälfte fort und foulten was das Zeug hielt. Der Schiedsrichter fuhr weiter seine Appeasement-Politik und wollte in keiner Situation eine Regelwidrigkeit bemerkt haben: bitter!

Bremen kombinierte schnell und schön, fand aber den Abschluss nicht. Viel ging im Mittelfeld jetzt über den immer stärker werdenden Özil. Dortmund rannte dem Ball hinterher, lediglich der Ex-Bremer Zidan konnte mit dem Neuzugang Boateng zusammen Akzente setzen. Alex Frei war mittlerweile völlig untergetaucht und auch Kringe und Hajnal glichen einem Totalausfall.

Dann in der 61. Minute endlich der verdiente Ausgleich durch den Portugiesen Hugo Almeida, der ein fantastisches Spiel machte und nach Vorlage von Fritz einfach mal aus dem Stand aufs Tor schoss: warum auch nicht, es war das 1:1 – und ein regelkonformes noch dazu! Das war mehr als verdient. Nur drei Minuten später zog Diego aus vollem Lauf voll aufs Tor, bekam die Drehung aber nicht gut hin und verzug knapp rechts.

Klopp musste reagieren und brachte für den enttäuschenden Hajnal den jungen Sahin ins Spiel (der sich in der 77. erst mal mit einem bösen Foul, natürlich ungeahndet, auf sich aufmerksam machte). Bewegung ging aber nach wie vor nur über den Wirbelwind Zidan, der in der 71. Minute wieder einen scharfen Schuss aufs Tor wagte und nur an einem total gut aufgelegten Tim Wiese scheiterte. Klopp instruierte am Spielfeldrand derweil einen weiteren Ex-Bremer, den Angreifer Valdez, der in der 75. Minute für Zidan ins Spiel kam: was für eine Fehlentscheidung!! Zidan war einfach zu gut, Frei hätte gehen müssen.

Mesut ÖzilDie Kombinierfreudigkeit der Bremer endete stets kurz vor dem Strafraum, wo sie nicht zu guten Abschlüssen kamen. Dann das bereits erwähnte böse Foul von Sahin, ein Freistoß von Diego an den Pfosten und dann konnten Özil und Pizarro das Ding klar machen zum mehr als verdienten 1:2. Klopp am Spielfeldrand ganz ruhig: ihm war klar, dass seine Mannschaft unterlegen war und vielmehr aufpassen musste, nicht eine dicke Packung zu bekommen.

In der 83. Minute fiel dem Schiri auch wieder ein, wo er seine Karten versteckt hatte und so sah Frei endlich für ein weiteres Foul eine Gelbe. Der anschließende Freistoß von Diego war wieder superscharf, aber erfolglos: Weidenfeller faustete den Ball gerade noch so weg: tolle Parade.

Dritter und letzter Wechsel für die Borussia: Tinga verließ das Feld, für ihn kam der 22-jährige Yasin Öztekin. Werder hatte noch drei Minuten plus Nachspielzeit durchzustehen, spielte aber dennoch entschieden nach vorne. In der Nachspielzeit nutzte Schaaf dann doch noch sein Wechselkontingent, um wertvolle Sekunden zu gewinnen, Peter Niemeyer kam für Claudio Pizarro. Dortmund sah ein, dass hier kein Blumentopf mehr zu gewinnen sei und gab das Spiel auf. Nach 92 Minuten dann endlich der Schlusspfiff, Werder gewinnt sehr verdient mit “nur” 2:1 und steht im Viertelfinale! Klopps versteinertes Gesicht spricht Bände: er ist maßlos enttäuscht…

Bester Dortmunder Spieler war klar der Ex-Bremer Zidan, der viele Chancen erarbeitete und als einer der wenigen Schwarz-Gelben fair spielte. Verlierer auf Borussenseite waren Hajnal, der auch als erster Spieler ausgewechselt wurde und Kringe, der mehr foulte als spielte. Bei Bremen war der beste Mann auf dem Platz ganz klar der Torschütze Hugo Almeida, der mit einem wirklich schönen Tor seinen Stammplatz bei Werder unterstrich; ferner auch Mesut Özil, der auf einem Niveau spielt, das beinahe unheimlich ist: mindestens obere internationale Klasse, ganz klar eines der größten deutschen Talente! Totalausfall bei Werder war hingegen der Mann mit der Nummer 5: Tosic. Selbst seine Teamkollegen fingen zwischendurch an, sich über Tosic zu beschweren: das sicherste Zeichen, dass Tosic in der Startelf nichts verloren hat!

» Hinterlasse einen Kommentar!