
Das abendliche Olympiastadion in Berlin erlebte eine spannende Begegnung zwischen Hertha BSC und Bayern München
Das Olympiastadion war schon lange nicht mehr ausverkauft. Trotz der winterlichen Temperaturen und leichten Schneefalls waren 74.244 Fans ins Stadion gefahren, um zu sehen, wie sich die Mannschaften der beiden Hoeneß-Brüder um Platz 1 in der Tabelle stritten. Durch den Patzer von Hoffenheim am Vortage (1:5 gegen Leverkusen verloren) hatten beide Teams hier die Möglichkeit nach ganz oben zu springen. Dabei war Bayern klar der Favorit: denn während die Münchner mit voller Belegschaft antraten, war Berlin mal wieder ersatzgeschwächt. Und mit Pantelic fehlte den Berlinern ein zuletzt sehr sicherer Torschütze. Auch Cicero fehlte, er musste eine Gelbsperre absitzen. Klinsmann hingegen brachte in der Startelf die selben Spieler wie in den letzten vier Spielen: das ist Kontinuität!
Das Spiel ging munter los: für die Gäste. Schon die erste Statistik-Einblendung im Stadion nach ca. 10 Minuten zeigte: mit nur 37% Ballbesitz war die Hertha klar unterlegen. Die Münchner drängten die Hausherren hinten rein, Berlin lauerte auf Konter. Jedoch schaffte es die topklasse Abwehr der Berliner, die gefährlichen Münchner Offensiv-Kräfte komplett aus dem Spiel zu nehmen. Toni war fast gar nicht zu sehen, Klose ohnehin nicht. Ribery und Ze Roberto wurden gut von Stein, Simunic, Friedrich und Rodnei aus dem Spiel genommen. Vor allem Stein und Simunic machten hier eine fehlerlose Partie.
In der 35. Minute war für Toni die Partie zu Ende. Er hatte scheinbar einen Schlag abbekommen und humpelte vom Platz. Für ihn kam, fast unaufgewärmt, Donovan ins Spiel. Die Berliner immer noch ohne nennenswerten Ballbesitz, konnten dann aber keine drei Minuten später, in der 38. Minute, ihre vielbesungene eiskalte Effizienz ein weiteres Mal unter Beweis stellen. Ebert setzte sich rechts durch gegen den völlig abwesenden Christian Lell, brachte eine wundervolle Flanke in die Mitte, wo Voronin völlig unbedrängt zum Kopfball kam und bilderbuchmäßig an Keeper Michael Rensing vorbei ins Tor köpfte. 1:0 für die Hertha! Wie aus dem Nichts das Tor. Bayern München verwirrt…. Dies auch der Stand zur Pause.
In der zweiten Hälfte ging es weiter wie bisher. Bayern drückte nach vorne, Hertha mauerte. Im direkten Duell Bayern-Offensive gegen Hertha-Abwehr behielt die Hertha die Nase vorne. Klinsmann musste reagieren und schickte schon einmal Tim Borowski zum Aufwärmen. Wenige Minuten später nahm er dann den völlig orientierungslosen Lell vom Platz und brachte Borowski. Ein eigenartiger Wechsel, der einiges an Umbau erforderte. Doch Lahm hatte ja schon immer bewiesen, dass er alle Positionen spielen kann, ebenso Ze Roberto und so orientierten sich die Bayern schnell mit der neuen Formation, sehr schnell: denn keine drei Minuten später fiel das Ausgleichstor.

Die Bayern-Offensive scheiterte zum Schluss am Torwart der Hertha: Drobny
Lucio fiel nichts mehr ein und so versuchte er es mit einem Distanzschuss aus dem Mittelfeld. Ein Wuchtschlag, den der überragende Hertha-Keeper Drobny parieren konnte. Schweinsteiger war zur Stelle und schoss nach, wieder ein übermenschlicher Reflex von Drobny. Erst Klose, bis dato zu 0% in der Partie, stand richtig und schaffte es mit dem dritten Schuss, Drobny zu überwinden. Den beschwichtigenden Klopfer auf die Schulter Drobnys von Ribery, zeigte die Anerkennung des Franzosen vor der gewaltigen Torwartleistung des Tschechen. Keine Frage: Drobny spielt die Saison seines Lebens, auch wenn es nun 1:1 stand.
Dies war das Startsignal für beide Teams, endlich mal den Turbo einzulegen. Die Hertha machte vor allem über Raffael und Voronin Druck, Bayern München über Ribery und Donovan. Beide Teams scheiterten mit Großchancen an der gegnerischen Abwehr. Erst in der 77.Minute ein erneutes Tor: Raffael setzte sich wirbelwindartig durch und passte einen Zuckerpass zu Voronin, der den Ball in den Lauf bekam und nun allein vor Keeper Rensing stand: der Ukrainer Stürmer behielt die Nerven und schoss flach zum 2:1 ein. Das Stadion war außer Rand und Band!
Die Schlussphase zeigte eine verzweifelte Münchner Offensive, die alles nach vorne warf und einen überragenden Hertha-Torwart, der alle Versuche der Bayern, den Ausgleich zu erzielen, vernichtete: Drobny war hier am Ende fast noch mehr Man-of-the-Match, als der Doppelschütze Voronin. Freuen konnte sich auf jeden Fall beide Spieler, denn sie brachten mit ihren guten Leistungen Hertha BSC auf Platz 1 der Tabelle.
