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Kolumne über Fußball


Journalist’s Darling: Das Wort “Krise”

17.Februar.2009 Kommentare: 3

krise

Krise im Fußball - gibt es das?

Für Journalisten gilt seit Menschengedenken die Regel: “Bad news is good news.” Nichts verkauft sich so gut wie schlechte Schlagzeilen. Daher ist es auch kein Wunder, dass Journalisten mit dem Wort “Krise” schnell bei der Hand sind. Zu Beginn der Saison war Bayern München in der Krise. Jetzt sind Werder Bremen und Schalke 04 in der Krise. Borussia Mönchengladbach ist sowieso dauernd in der Krise. Und auch vor der 2.Bundesliga macht der Krisen-Journalismus keinen Halt. Hansa Rostock ist in der Krise und vom Abstieg bedroht. Letzte Saison steckte der FC Kaiserslautern in einer schweren Krise, Vereinsauflösung drohte. Eine Etage tiefer steckt sogar die ganze 3.Liga in der Krise. Zu wenig Gelder, zu wenig Publikum, zu viele Zweitmannschaften von Erstligisten, zu viele Spielausfälle. Dazu sind Vereine, wie der Wuppertaler SV, die letzte Saison fast in die 2.Bundesliga aufgestiegen wären, nun in einer ausgemachten Krise. Auch international nichts anderes: die vom internationalen Mäzenatentum hochgezüchtete Premier League steckt in einer Krise, kurz: mit der ganzen Welt steckt auch die Fußballwelt in einer Krise. Die Formel, die gerne zur Anwendung kommt, lautet: Finanzkrise = Fußballkrise.

Doch was ist dran am Besingen der Krise? Ist es wirklich so schlecht bestellt um die genannten Vereine? Oder folgen ihre Formschwächen nicht vielmehr einem ganz gewöhnlichen Leistungszyklus? Müssen große Teams nicht alle paar Jahre mal eine harte Saison durchmachen? Muss die Leidfähigkeit der Fans nicht in mittelgroßen Abständen auf die Probe gestellt werden? Gehört dieser Prozess, den man leichthin “Krise” nennt, nicht zu einem ganz normalen Schritt auf dem Weg zu besserer Leistung? Dante musste in seiner Göttlichen Komödie auch erst durch die Hölle und den Läuterungsberg (das Purgatorio, wörtlich: die Reinigung), bevor er ins Paradies eintreten konnte. Gilt für Vereine wie Werder Bremen, Hansa Rostock, den Wuppertaler SV und viele andere nicht vielmehr das gleiche?

Wir denken, dass ein Team auch einmal das Recht haben muss, schlecht zu spielen. Eine Mannschaft, die immer nur erfolgreich ist, kann keine Fans haben, so eine uralte Fußballweisheit. Der FC Bayern München kann keine Fans haben, sondern nur Zuschauer – so das gängige, aber nicht ganz verkehrte Klischee. Wer das Wort “Fan” wörtlich nimmt (es ist eine Abkürzung von “Fanatiker”), der weiß, dass ein Fan mit seinem Verein auch durch die Hölle gehen würde, wenn es keinen anderen Weg gäbe. Die Hölle des FC Bayern München, das ist der UEFA-Cup, der “Cup der Verlierer”, wie Franz Beckenbauer den Pokal einst verächtlich nannte.



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Wer also in diesen Zeiten mit dem Siegel “leidgeprüft” als Phönix aus der Asche einer schlechten Saison aufsteigen will, der muss zweierlei tun: zum einen muss er aufhören, in jeder Niederlage, jedem Unentschieden, jeder verpatzten Chance, jedem Stellungsfehler, jeder gelben oder roten Karte, jeder Verletzung und jedem Platz, der nicht der erste ist die Symptome einer “Krise” zu sehen. Zum anderen muss er die Zähne zusammenbeißen und verstehen lernen, dass Fußball eben auch bedeutet, mit Niederlagen umzugehen – auch, wenn diese sich mal wie Perlen auf einer Schnur aneinanderreihen. Man muss seinem Team keine Nibelungentreue schwören, aber als Fan hat man doch die Aufgabe, an sein Team zu glauben. Der Aufstieg aus der sog. Krise wird um so schöner sein.

Fussballkolumne.de hat hiermit beschlossen, in dieser Saison kein einziges Mal mehr das Wort “Krise” zu benutzen, egal für welchen Verein.

3 Kommentare zu “Journalist’s Darling: Das Wort “Krise””

  • Fan sagt:

    klasse aktion, leute. das sch*** rumgejammer von wegen alles und überall ist krise kann man ja auch echt net mehr hören. genauso wie trainer-diskussionen, die sind auch zum kotzen.

  • Nat sagt:

    Strukturelle und wirtschaftliche Probleme wie die der 3. Liga und der Premier League sind nicht mit sportlichen Problemen einzelner Mannschaften vergleichbar.

    Letztere beschränken sich auf temporäre Probleme beim Abruf eines bestehenden Leistungspotenzials, erstere hingegen auf die gesamten Rahmenbedingungen zur Schaffung und Erhaltung dieser Potenziale.

  • newskick.de sagt:

    Journalist’s Darling: Das Wort “Krise”…

    Für Journalisten gilt seit Menschengedenken die Regel: “Bad news is good news.” Nichts verkauft sich so gut wie schlechte Schlagzeilen. Daher ist es auch kein Wunder, dass Journalisten mit dem Wort “Krise” schnell bei der Hand sind. Doch was i…

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