Fussballkolumne.de

Kolumne über Fußball


Lars Ricken – Ein Über-Talent beendet seine Karriere

16.Februar.2009 Kommentare: 1

lars-ricken1

Lars Ricken im BVB-Dress (c) by Erlan (flickr)

Die häufigste Reaktion, wenn man ein Gespräch über Fußball auf den Spieler Lars Ricken bringt, ist ein resigniertes Kopfschütteln und der unvermeidliche Satz: Ach ja, Lars Ricken, das ewige Talent.

Das erste Mal, dass ich Lars Ricken live und in Echt sah, war zu einem Zeitpunkt, als er das Image des ewigen Talents unwiederruflich inne hatte. 2006 war Ricken als Stargast in die Berliner Adidas-Arena eingeladen worden, die man vor dem Reichstagsgebäude aufgebaut hatte. Die Arena sollte eine Miniatur-Ausgabe des Olympiastadions darstellen und beherbergte unzählige große Leinwände auf denen Fußballfans die Weltmeisterschaft im eigenen Land verfolgen konnten. Der Tag an dem Lars Ricken in der Arena war, fand das Spiel Deutschland gegen Schweden statt, bei dem Lukas Podolski zwei eindrucksvolle Tore schoss. In der Halbzeitpause holte der Moderator Ricken auf den Platz und fragte ihn, “Lars, wie geht es Dir und woran denkst Du, wenn Du diese begeisterte Menge hier in der Adidas-Arena siehst?” – Die lakonische Antwort von Ricken war: “Mir geht’s gut und ich denke daran, dass ich jetzt gerne noch ein Bier hätte.” – Das sollte er bekommen, ein Fan vermachte ihm sein frisch gezapftes Bier und das ewige Talent Lars Ricken ließ die mittelmäßige Moderation gelassen über sich ergehen.

ricken-cup

Der Ricken-Cup (c) by Erlan (flickr)

Höhepunkt in Rickens Karriere:
Den Titel ewiges Talent verdiente sich Ricken durch spektakuläre Szenen in der frühen Phase seiner Karriere. Nicht nur, dass seine Tore immer schön waren, sie waren vor allem auch immer wichtig.
1994 ein wichtiges Tor gegen Deportivo de La Coruña im Achtelfinale des UEFA-Cups, 3:1 in der 118. Minute. Dieses Tor war spielentscheidend.
1996/1997, die goldene Saison des BVB: im Rückspiel des Viertelfinales der Champions League erzielte Ricken den 1:0-Siegtreffer gegen AJ Auxerre.
Im gleichen Jahr, 96/97, erziehlte er im Halbfinale das entscheidende Tor gegen Manchester United.
Ebenfalls gleiches Jahr, 96/97, Finale der Champions League. Ricken wird eingewechselt und erzielt kaum 10 Sekunden später das spielentscheidende 3:1 (71.Minute) gegen Juventus Turin. Die Zuschauer waren sich einig und wählten diesen Treffer, einen fantastischen Heber aus fast 30 Metern, zum “Tor des Jahres 1997″. (Lars Rickens Tor des Jahres 1997 im Champions League-Finale gegen Juventus Turin).

Deutscher Meister wurde er mit seinem Verein in den Jahren 1995, 1996 sowie 2002. Auch in der Nationalmannschaft konnte er öfter spielen, ohne sich jedoch wirklich durchsetzen zu können. 2002 bei der Weltmeisterschaft, als Deutschland Vize-Weltmeister wurde, saß Ricken nur auf der Bank.

Talfahrt seiner Karriere:
Ricken war immer eine Art Dissident. Auf Führungsebene konnte er nie große Freunde gewinnen, da er sich mehrmals öffentlich kritisch zu Geschäftsführungen oder Trainerentscheidungen äußerte. Sein Motto: “Eine gesunde Konfliktfreudigkeit ist aber durchaus leistungsfördernd” (so gesagt in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit, vom 26. Mai 2008). Damit haben nicht nur heutige Spieler wie Torsten Frings oder Michael Ballack zu kämpfen, sondern eben schon damals Spieler wie Lars Ricken. Öffentlich seine eigene Meinung im Fußball zu sagen, kam “da oben” noch nie besonders gut an und so hatte Ricken nach eigener Aussage eine Zeit lang von seinem damaligen Trainer Ottmar Hitzfeld Interview-Verbot.



Spiegel Logo 120x60

Aber nicht nur als öffentliche Figur, sondern auch als Fußballer wurde es schwierig für Ricken. Er wurde ziemlich böse gefoult und zog sich einen dreifachen Bänderriss im Sprunggelenk zu: das bedeutete einen Monate langen Ausfall.
“Meine Leistungen wurden immer sehr extrem gesehen. Entweder war ich der Versager oder der Held.” (Zeit-Interview)

Lars Ricken heute:
Heute vermeldete die Homepage von Borussia Dortmund und Der Spiegel, dass das Über-Talent Ricken seine Karriere als beendet erklärt habe. Zuletzt spielte Ricken noch aktiv für die zweite Mannschaft und war zudem seit Sommer 2008 Nachwuchskoordinator bei den Schwarzgelben. Der 32-jährige Ricken kommentierte seinen Entschluss wie folgt: “Meine neue Aufgabe als Verantwortlicher im Nachwuchsbereich des BVB macht mir Riesenspaß, fordert aber auch mein totales Engagement und lastet mich voll aus.”

Fussballkolumne.de wünscht diesem einzigartigen Talent der Fußballgeschichte alles Gute für seine weitere Zukunft und hofft, dass er als Talent-Coach im Fußball so große Talente entdecken wird, wie er selbst eins war. Für viele unvergessliche Tore und wundervolle Spielszenen dankt ihm unser ganzes Team. Alles Gute, Lars!

Ein Kommentar zu “Lars Ricken – Ein Über-Talent beendet seine Karriere”

  • Borussia sagt:

    Danke für den Artikel. Wirklich ein großes Talent. Schade, daß seine Karriere so zickzackmäßig verlaufen mußte. Wäre Lars Ricken immer unverletzt gewesen, würde man seinen Namen in einem Atemzug mit Kaka, Christiano Ronaldo und Gerd Müller nennen. Und dazu wäre er immer ein Borusse geblieben. Das ist Treue!

    Als BVB-Fan sage ich: danke Lars, für viele tolle Spiele und alles Gute!

  • » Hinterlasse einen Kommentar!

Du liest gerade Lars Ricken – Ein Über-Talent beendet seine Karriere auf Fussballkolumne.de.

Metadaten