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Die sogenannte individuelle Klasse der Bayern, Teil 1: Der Sturm

Die Bayern spielen nicht gut in dieser Saison. Da ist überhaupt nichts dran schön zu reden. Sie lassen sich hinten zu leicht auseinandertreiben, sind vorne nicht durchschlagend genug und in der Mitte kein bisschen geordnet. Ein Satz, den neulich ein Kommentator bei einem Bayern-Spiel angesichts der desaströsen Leistung äußerte, war: “Aber die Bayern besitzen dennoch genug individuelle Klasse, um am Ende doch noch Meister werden zu können.” Ein Grund, die so genannte und viel besungene “individuelle Klasse” der Bayern mal etwas näher zu beleuchten. Denn, so die Meinung von fussballkolumne.de, die Bayern habe aktuell überhaupt gar keine individuelle Klasse! 


Wie es sich gehört fangen wir vorne an. Ganz vorne. Im Sturm. Die individuelle Klasse des Bayern-Sturms wird meist so wiedergegeben: “Da spielen Gomez, Klose, Toni, Olic. Und dann auch noch dieser talentierte Thomas Müller, aus dem wird bestimmt mal ein ganz Großer.” Die Aufzählung ist seltsam. Gomez? Klose?? Toni??? Drei Namen, die sich partout nicht in Zusammenhang mit individueller Klasse bringen lassen.

Mario Gomez besitzt zweifelsohne ein paar Stürmerqualitäten - aber bedauerlicherweise auch viele (die meisten) nicht. Durchsetzungskraft vorm Tor, Kaltschnäuzigkeit in der Ballbehauptung und Coolness in der Situation Stürmer-gegen-Torwart: fehlen komplett. Ein Stürmer, der auf seinem Heimatbolzplatz (in Stuttgart) gut spielte, der aber, auf der wirklich großen Bühne angekommen, wie ein vergesslicher Schauspieler wirkt, der seinen Text nicht mehr weiß. Man will ihm so gerne soufflieren, weiß aber: da muss er jetzt alleine durch. Doch genau wie auf dem Theater ist auch auf dem Platz der Zauber gebrochen. Gomez ist endgültig entzaubert. Die drei, vier schönen Tore, die er noch schießen wird, nehmen wir gerne mit. Und bei jedem werden wir ein bisschen traurig sein, weil wir wissen, dass sich ihm ein paar Dutzend nicht gemachte Tore dazugesellen…

Und Miro Klose? Ein Stürmer, der seine besten Zeiten hinter sich hat. Denn die hatte er bei dem Verein, von dem er sich durch eigenes Verschulden recht unrühmlich getrennt hat: nämlich bei Werder Bremen. Dort war Klose eine perfekt geölte Tormaschine. Seit er bei Bayern spielt wird ihm von gutmeinenden Kritikern gerne seine “Teamfähigkeit” und seine “Uneigennützigkeit” bescheinigt. Klose lege lieber auf, statt selber zu verwandeln. Komisch nur, dass er in dieser Saison in 10 Bundesligaspielen nur einen Assistpunkt holte. Da stellt sich die Frage: für wen legt er auf? Für den gegnerischen Torwart?

Und Toni… Luca Toni, das italienische Sorgen-Bambino vom FC Bayern München. Von van Ghaal nicht geliebt und auch eigentlich sonst von keinem Fußball-Fan. Ein klassischer Abseits-Stürmer und Elfmeterschinder. Fallobst, nannte man so was früher. Zweikampffähigkeiten: keine. Laufbereitschaft: null. Ego und Selbstbewusstsein: 101%. Das gegnerische Tor ist Luca Toni nur noch vom Hörensagen bekannt: Denn egal ob auf dem Platz oder auf der Tribüne - in die Nähe des gegnerischen Tores kommt er ohnehin nicht.

Bleiben noch zwei Stürmer: Ivica Olic und Thomas Müller. Beide verbindet eines: sie haben die Bayern keine horrenden Transfergelder gekostet und keiner hatte sie auf dem Plan. Und doch sind Olic und Müller die besten Stürmer des FC Bayern. Olic, der wieselflinke Arbeiter, der mit seiner Moral selbst meinem Großvater noch eine Lektion in Fleiß hätte erteilen können. Und Thomas Müller, das kleine Wunderkind. Ein Fußballer dessen Marktwert in kurzer Zeit von Null auf ein paar Millionen Euro gestiegen ist. Einer mit einer atemberaubenden Schusstechnik, einer Ruhe im Spiel (die seine Treffsicherheit nicht schmälert) und ebenfalls einer hohen Laufbereitschaft. Kurz: Müller wird nicht ein ganz Großer, er ist es bereits.

Fazit: Der Bayern-Sturm bietet die sog. individuelle Klasse dort, wo man sie nicht vermutet: bei zwei Gratis-Spielern. Der eine ablösefrei vom HSV gekommen. Der andere ein Eigengewächs. Die 54 Mio. teuren Zukäufe (Toni = 12 Mio, Klose = 12 Mio., Gomez = 30 Mio) sind dagegen bestenfalls (noch) Bundesligastandard. Man sollte sie wohl verkaufen, so lange sie noch was wert sind. Denn, ob die drei zusammen in dieser Saison mehr als 15 Tore erzielen ist mehr als fraglich. Dass ein Thomas Müller oder ein Olic -wenn man sie nur lässt- zusammen gut und gerne 20 Tore erzielen ist hingegen: sehr wahrscheinlich.

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